E-Mail aus: Eswatini

Von: Bernadette Schausberger

Betreff: Staub

Liebe Redaktion,

es ist Winter im „beautiful Kingdom of Eswatini“ (früher Swasiland). Es hat, sobald die Sonne untergeht, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das ganze Land ist zudem dick mit rötlichem Staub überzuckert. Der „Swazi-Schnee“ ist überall.

Für mich, als Sozialwissenschaftlerin in der Gesundheitsforschung, steht der Staub sinnbildlich für ein verstaubtes Bild von Männlichkeit. Das kleine Land mit der höchsten HIV-Rate der Welt wird von einem polygamen König regiert. Gegenwärtig hat der König 14 Ehefrauen und zahlreiche Affären.

Die Vorbildfunktion bleibt nicht ohne Folgen: Der Großteil der Swazi-Männer hat multiple Partnerinnen und eine ablehnende Einstellung HIV-Tests gegenüber – und damit oft schlechtere Behandlungsaussichten. Über HIV wird nicht gesprochen, aber das Virus ist omnipräsent und jeder sexuell aktive Mensch im Land ist sich des Risikos bewusst.

Jede zweite Frau im Alter von 30 bis 40 Jahren ist HIV-positiv, viele von ihnen infiziert von ihren Ehemännern. Immerhin: Seit Anfang des Jahres ist ein Gesetz für mehr Geschlechtergerechtigkeit in Kraft, das Frauen mehr Rechte auf Konsens einräumt. Vielleicht hilft das, ein paar patriarchale Praktiken zu überdenken.

Ich fände es gut, wenn der Regen bald käme. Dann würde der Staub abgewaschen werden. Hoffentlich kommt bald ein Frühling, in dem man hier seine eigene Gesundheit und die seiner Liebsten schützt.

Liebe Grüße,

Bernadette

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen