E-Mail aus Nepal

Von Redaktion · · 2015/09

Von: Narayani Bhadel

Betreff: Erschütterte Leben

Liebe Redaktion!

Ich lebe in Changu Narayan bei Bhaktapur, einer der so genannten Königsstädte Nepals. Am 25. April unterhielten meine Schwester und ich uns in unserem Geschäft gerade mit einem Gast aus Frankreich, als das Erdbeben kam. Als die Häuser einzustürzen begannen, liefen wir zum Autobus-Parkplatz. Die Menschen weinten, jeder wollte seine Verwandten erreichen, aber die Telefone funktionierten nicht.

Bei uns im Ort wurden ein Bub und eine alte Frau getötet, viele wurden verletzt. In zahlreichen Häusern kann man bis heute nicht leben. Unser Haus hat auch Risse bekommen, einige Wände sind kollabiert. Es ist nicht vollkommen sicher, aber wir können zumindest darin wohnen. Drei Tage lang wusste ich nicht, ob ich wach war oder träumte. Wir konnten unsere Verwandten nicht erreichen. Wir konnten nachts nicht schlafen.

Auch jetzt, Monate danach, sind unsere Leben noch immer erschüttert. Unsere Regierung und manche NGOs gaben den Erdbeben-Opfern zwar ein bisschen Hilfe, aber nicht genug. In den Nachrichten hörten wir von großen internationalen Hilfslieferungen. Wir wissen nicht, wohin die gingen. Vor dem Erdbeben arbeiteten wir alle im Tourismus. Viele Menschen kamen, um unseren Tempel zu sehen. Jetzt kommt niemand mehr, unser Geschäft mussten wir schließen. Wir sind zu neunt in unserer Familie. Mit der Landwirtschaft versuchen wir, uns über Wasser zu halten, aber das ist sehr, sehr schwierig. Wir haben zwar das Erdbeben überlebt, aber glücklich sind wir nicht.

Eure Narayani

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