Eduardo Belgrano Rawson: Rosas Stimme

Von rld ·

Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen. Verlag C.H. Beck, München 2006, 384 Seiten, EUR 19,90

„Der große Roman über Castros Kuba“, steht auf der Einbandschleife. Wer das Buch mit der Erwartung kauft, Einsichten über das Leben auf der sozialistisch regierten Insel zu bekommen, der wird enttäuscht. Eigentlich ist es gar kein Roman, sondern eine virtuos zusammengestückelte Ansammlung von Anekdoten und Tratsch, die während der Invasion an der Schweinebucht im April 1961 ihren Ausgang nimmt und mit dem Massenexodus nach Miami vor wenigen Jahren endet. Eine Handlung wird man genauso vergeblich suchen wie einen erkennbaren Protagonisten. Vielmehr wird das Schicksal von vielen historischen und fiktiven Personen aus der gescheiterten Invasion entwickelt. Relativ solide Grundkenntnisse der Geschichte Kubas und Zentralamerikas werden vorausgesetzt. Denn auch der ehemalige guatemaltekische Präsident Juan José Arévalo, in Guatemalas Regierungspalast wie im argentinischen Exil, kommt immer wieder vor. Ernest Hemingway hat ebenso seinen Auftritt wie Che Guevara, Fidel Castro und der äußerst populäre Camilo Cienfuegos, einer der engsten Vertrauten des Revolutionsführers, der einen frühen und mysteriösen Unfalltod erlitt. Rawson entmystifiziert die Guerilleros, indem er ihr Vorleben beschreibt. So verdiente Cienfuegos seine Dollars als illegaler Migrant in den USA an der Nähmaschine.
Entmystifiziert werden auch die Militäraktionen. Die erfolgreiche Invasion Guatemalas durch rechte Militärs mit tatkräftiger Unterstützung der CIA im Jahr 1954 wird als Bluff entlarvt, der nur funktionieren konnte, weil Präsident Jacobo Arbenz auf jede Gegenwehr verzichtete. Ganz anders lief es in der Schweinebucht. Die Exilkubaner und CIA-Söldner trafen dort auf unerwartet heftigen Widerstand, obwohl die kubanische Armee mit geradezu lächerlich antiquiertem Gerät kämpfen musste. Jene, die im Flugzeug vor dem Absprung mit dem Fallschirm noch große Sprüche führten und sich den Triumphzug durch das von Castro befreite Havanna ausmalen, krepieren elendig in den mosquitoverseuchten Mangrovesümpfen oder werden von halben Kindern vor der Landung erschossen. Dafür enden einige von denen, die in der Milizuniform das Vaterland und den eigenen Weg verteidigten, einige Jahrzehnte später in Miami oder scheitern bei der Überfahrt in selbst gebastelten Booten.

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