Ein Blitz im Dunkel

Rund um die Ausstellung ?Flash Afrique? wird in Wien über afrikanische Kunst diskutiert.

Von Eva Bachinger

Die Scheinwerfer werden auf eine Kunstszene gerichtet, die es verdient, aus dem Halbschatten einer fragmentarischen Rezeption in den Brennpunkt der Wahrnehmung gerückt zu werden?, erklärten die Kuratoren Thomas Mießgang und Gerald Matt zur Eröffnung der Ausstellung ?Flash Afrique? in der Kunsthalle Wien/Museumsquartier. ?Flash Afrique? setzt sich mit der Entwicklung der Fotografie auf dem ?dunklen? Kontinent auseinander. Ein Blitz, der das Dunkle erhellt, ein Heraustreten aus dem kolonialen Schatten.

?Afrika findet nun Anklang?, befindet Simon Njami, Herausgeber der Kunstzeitschrift ?Revue Noire?, die einen Überblick über zeitgenössische afrikanische Kunst bietet. Doch die österreichische Kunstszene wird mit Ausstellungen dieser Art der internationalen Entwicklung nur marginal gerecht. Ausstellungen afrikanischer Gegenwartskunst hätten sich hierzulande noch nicht durchgesetzt, so die Ethnologin Ulrike Sulikowski bei der ersten Diskussion im Rahmen des begleitenden Symposiums ?Mining Cultural Diversity ?? Anfang September in der Kunsthalle Wien. International setzten bereits in den 80er Jahren Ausstellungen in Paris und New York Zeichen. In Österreich war 1996 die Ausstellung ?Die andere Reise? in der Kunsthalle Krems ein neuer, mutiger Zugang zur afrikanischen Gegenwartskunst.

In der internationalen Kunstszene macht ein Afrikaner Schlagzeilen: Okwui Enwezor, aus Nigeria stammender Kunstexperte, wurde zum Leiter der documenta 11 bestimmt. Diese neben der Biennale von Venedig renommierteste Leistungsschau zeitgenössischer Kunst wird im Juni 2002 in Kassel eröffnet. Erst seit 1992 nehmen auch afrikanische KünstlerInnen daran teil.

Für ?Kulturen in Bewegung? war der heimische Umgang mit Kunst aus Afrika Anlass, das mehrteilige Symposium ?Mining Cultural Diversity? zu organisieren. ?Kulturen im Bewegung?, ein Referat des Wiener Instituts für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit (VIDC), versteht sich als Servicestelle für Kunst- und Kulturprojekte mit KünstlerInnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

Das Symposium soll einen differenzierten Blick auf die westafrikanische Realität ermöglichen. ?Kulturen in Bewegung? kritisiert, dass über Medien immer die selben Bilder von Afrika präsentiert würden. Begriffe wie Aids, Diktatur, Hunger und Bilder von wilden, halb nackten Menschen würden mit Afrika assoziiert werden.

Die heuer in Wien gezeigte Ausstellung ?An/Sichten ? Malerei aus dem Kongo 1990 ? 2000? im Museum für Völkerkunde ist für Michael Stadler vom VIDC exemplarisch für den Umgang mit außereuropäischen KünstlerInnen. Stadler hat in einem offenen Brief der Ausstellung ?neokoloniale Konzepte? unterstellt. Die Künstler waren zur Vernissage nicht eingeladen worden; dieses Nicht-Ernstnehmen sei eine veraltete Sicht, die im Gegensatz zu internationalen Standards stehe.

Die Kuratorin der Kongo-Ausstellung Barbara Plankensteiner entgegnete, dass ein Vergleich mit Ausstellungen von Gegenwartskunst an der Sache vorbeigehe. Es handle sich um eine ethnologische Ausstellung, die sich mit speziellen Aspekten der populären Malerei befasse. ?Aber ich werde in Zukunft vorsichtiger sein?, räumt sie ein, denn es sei schwierig abzuschätzen, wie etwas verstanden werde.

Der Ethnologe Thomas Fillitz von der Universität Wien ärgert sich in einem Entgegnungsschreiben auf den offenen Brief, dass nach Auffassung von ?Kulturen in Bewegung? der ethnologische Blick mit zeitgenössischer Kunstrezeption nichts mehr zu tun habe. Er meint, dass es DEN ethnologischen Blick nicht gebe.

Der Vorwurf, afrikanische KünstlerInnen auszubeuten, traf bei der Diskussionsveranstaltung in der Kunsthalle Anfang September vor allem den Pariser Kurator André Magnin. Seine für die Pigozzi-Sammlung in Paris zusammengetragenen Werke übertreffen oft alle Preiserwartungen. Fillitz merkte dazu an, dass traditionelle afrikanische Kunst oft durch Betrug und illegal nach Europa käme; bei den Kunstobjekten aus dieser Sammlung sei das jedoch nicht der Fall.

?Ein afrikanischer Künstler kann erst dann eine Künstlerexistenz führen, wenn er in Europa ausgestellt wird. Das sind die Spielregeln?, meint Simon Njami. Und diese Spielregeln würden sich nicht so bald ändern.

Bei der Diskussion in der Kunsthalle haben sich zahlreiche SchwarzafrikanerInnen zu Wort gemeldet. Sie verlangen vor allem ein Aufbrechen der Vorurteile. Tenor: ?Jeder von uns ist hier, damit die enorme Vielseitigkeit Afrikas sichtbarer wird.?

Die Autorin ist Mitarbeiterin von SOS-Mitmensch in Wien und freie Journalistin.

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