Ein Fest für den Film

Von 28. Februar bis 7. März stand die Hauptstadt von Burkina Faso wieder ganz im Zeichen des panafrikanischen Filmfestivals FESPACO. Einen starken Auftritt hatte die digitale Filmproduktion. Ines Zanella aus Ouagadougou

Schon Tage vor der Eröffnung steigt die Spannung in Ouagadougou: Girlanden schmücken viele Straßenzüge. Neben der Weihnachtsbeleuchtung, die noch immer hängt, den Sternen und Tannenzweigen, glitzern die Schriftzüge des größten Filmfestivals Afrikas. Die Zebrastreifen der großen Boulevards werden nächtens geweißelt und Hundertschaften von Straßenkehrerinnen tun ihren Dienst. "Ja, das FESPACO ist echt großes Business!", erzählt Patrice, der wie viele andere junge Männer gemalte Postkarten oder andere Souvenirs verkauft. Zur Eröffnung sind die Straßen mit Autos, Mopeds und Fahrrädern verstopft. Über 20.000 Menschen feiern den Auftakt im größten Stadion der Stadt.
Vor 40 Jahren gegründet, erhebt und erfüllt FESPACO den Anspruch, den afrikanischen Film in seiner Gesamtheit zu repräsentieren. Über 360 Filme sind es bei dieser 21. Ausgabe des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals. Zwischen der Filmvielfalt des Maghreb, den Autorenfilmen der französischsprachigen Länder und den großen Produktionen Südafrikas, die - gedreht auf 35 mm - an den Hauptbewerben teilnahmen, finden sich kleinere Premieren. Zum Beispiel Filme aus den Ländern Malawi oder Madagaskar, die bisher noch kaum cineastisch aktiv waren. Möglich wird dies durch das kostengünstigere Drehen in digitalen Formaten, die sich beim FESPACO ebenso in Wettbewerben messen. Dadurch wird die große Bandbreite afrikanischen Filmschaffens erst sichtbar. "Nollywood", Nigerias boomende Filmindustrie, ist keine Einzelerscheinung auf dem Kontinent mehr - die meisten Länder präsentierten sich mit einer sehr lebendigen digitalen Filmproduktion. Auch Dokumentationen und Fernsehserien wurden in eigenen Wettbewerben beurteilt. Zugelassen sind afrikanische FilmemacherInnen und Produktionen. Ein eigener Preis zeichnet den besten Beitrag der afrikanischen Diaspora aus.

Den Hauptpreis, den Étalon d'Or de Yennenga, einen goldenen Hengst, bekam dieses Jahr der Film "Teza" des Äthiopiers Haile Gerima. Er erzählt wie viele andere der gezeigten Spiel- und Dokumentarfilme von der Rückkehr eines Migranten in sein Herkunftsland. Viele Spielfilme beschäftigen sich mit sozialen und politischen Themen, auch wenn diese u.a. in Kriminalkomödien verpackt werden. Damit standen einige Beiträge ganz in der Tradition eines großen Filmemachers, der 2007 starb und in einer Hommage geehrt wurde: Sembène Ousmane.
Mehr als eine Woche waren jeden Abend lange Schlangen vor den Kinos der Stadt, bietet das FESPACO doch auch für die Einheimischen eine rare Gelegenheit, afrikanische Filme auf der Leinwand zu betrachten. Danach wurde eifrig mit den RegisseurInnen diskutiert - im Kinosaal oder auch, wie es der Zufall ergibt, mittags in einem Gastgarten. Denn das Festival spielt sich in ganz Ouagadougou ab, nicht nur in geschlossenen Sälen.

Ines Zanella ist Mitarbeiterin von Südwind Tirol und besuchte für das Internationale Filmfestival Innsbruck (www.iffi.at) das FESPACO.

Offizielle Website des Festivals (frz./engl.) u.a. Katalog mit allen gezeigten Filmen als Download: www.fespaco.bf

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