„Ein pädagogisches Projekt“

María Fernanda Espinosa ist zuversichtlich: Für Ecuadors Kultur- und Naturerbe-Ministerin ist das letzte Wort zur Yasuní-ITT-Initiative noch lange nicht gesprochen. Mit Gerhard Dilger sprach sie am Rande eines UN-Klimatreffens in Chile.

Ministerin Espinosa ist zuversichtlich, dass das Erdöl im Boden bleibt.

Südwind Magazin: Es gibt Befürchtungen, dass die ecuadorianische Regierung 2012 die Ölförderung im Yasuní-ITT-Gebiet genehmigen könnte. Sehen Sie noch eine Chance, diesen so genannten Plan B zu verhindern?
María Fernanda Espinosa:
Der Plan B war von Anfang an eine mögliche Alternative. 60 Prozent unseres Haushalts kommen aus den Erdöleinnahmen. Wir sind ja gerade dabei, einen Wohlfahrtsstaat aufzubauen – wie alle lateinamerikanischen Länder haben wir eine große soziale Schuld gegenüber unserer Bevölkerung zu begleichen.
Aber das Entscheidende ist doch, dass die Yasuní-ITT-Initiative weit über die Frage der Überweisung von Geld hinausgeht, also weit über die Frage, ob oder wer wieviel zahlt. Sie ist von einem enormen politischen und pädagogischen Wert, und das weltweit.

Warum?
Ecuador versucht der Menschheit zu sagen, dass wir neue internationale Mechanismen brauchen, um globale Gemeingüter wie die Atmosphäre zu verwalten. Wir haben mit vielen Regierungen reden können und auch mit der Zivilgesellschaft – über Themen, denen die internationale Gemeinschaft ausweicht: Wer kommt für die Kosten unseres unbegrenzten Wachstums auf? Und wie? Mit Verzicht auf Lebensqualität, mit Risiken, mit Unsicherheit?

Die Messlatte liegt bei 100 Millionen Dollar bis Ende diesen Jahres – ist das nicht viel zu hoch?
Wir haben aber schon über die Hälfte. Auch andere Länder sind dabei, die Dynamik der Initiative zu verstehen. Oft gibt es Befürchtungen, denn der Vorschlag bricht ja total mit der herkömmlichen Logik der Zusammenarbeit über die globalen Gemeingüter. Er führt das Prinzip der Mitverantwortung ein – und das Konzept der vermiedenen Nettoemissionen.

Hoffen Sie noch auf die deutsche Regierung?
Regierungen sind nicht monolithisch. Wir haben durchaus Unterstützer, Umweltminister Norbert Röttgen zum Beispiel und selbst die Kanzlerin. Angela Merkel kennt die Initiative und hat sie unterstützt, die ersten Studien sind von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit finanziert worden.
Der UN-Treuhandfonds war eine deutsche Idee – und wir sind ihr gefolgt. Auch den Vorschlag, dass die Beitragszahler im Direktorium des Fonds vertreten sein sollten, haben wir umgesetzt. Und der Bundestag hat sich 2008 einstimmig für die Initiative ausgesprochen. Wir haben großen Rückhalt in der deutschen Zivilgesellschaft.

Wie sieht es sonst in Europa aus?
Wir hoffen, dass Spanien seinen Verpflichtungen nachkommt. Die Finanzkrise hat auch das Projekt getroffen, denn unsere wichtigsten Partner sind ja die Europäer. Spanien hat allen politischen Willen, aber schlichtweg kein Geld.

2013 wird in Ecuador gewählt, und es gibt Konflikte zwischen der Regierung einerseits und den Indígenas und der unabhängigen Linken andererseits. Was tun Sie dafür, damit Yasuní-ITT nicht in den Wahlkampf hineingezogen wird?
Wenn es etwas gibt, das uns und die Linke verbindet, dann ist es ja gerade das Yasuní-Projekt. Die andauernden Spekulationen über den Plan B führen zur Kritik an der Regierung. Indem sie den Präsidenten kritisieren, wenn er den Plan B auch nur erwähnt, erhalten sie die Initiative am Leben. Hinzu kommt der Rückhalt von 80 Prozent der Ecuadorianer für das Projekt.

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