Eine andere Geschichte von Afrika

Von Redaktion ·

Mac-Jordan Degadjor aus Ghana ist Blogger und Social-Media-Experte. Mit Südwind-Redakteur Richard Solder tauschte er sich online über die Bedeutung von Blogs und Apps in Afrika, über Afrika-Klischees in westlichen Medien und die Rolle von Al Jazeera und chinesischen Medien aus.

Hornbrille, buntes Hemd, dazu einen Schal um den Hals geworfen: Mac-Jordan Degadjor pflegt einen hippen, jungen Kleidungsstil. Auf den Fotos, die von ihm im Internet zu finden sind, ist er selten ohne Smartphone, Laptop oder Tablet zu sehen. Degadjor ist ein Gesicht des modernen Afrika. Ähnlich wie die Uganderin Rosebell Kagumire oder etwa Wael Abbas aus Ägypten ist Degadjor ein afrikanischer Meinungsmacher im Web. Der Hauptfokus des selbsternannten IT-Enthusiasten ist Innovation. Doch der 27-Jährige beschäftigt sich auch mit Gender, Menschenrechten und dem Thema Meinungsfreiheit. „2006 habe ich angefangen zu bloggen. Ich wollte eine andere Geschichte von Ghana und Afrika erzählen“, so Degadjor im Rückblick. „Ich hatte die unzähligen Klischees satt!“

Auch Erfahrungen mit Diskriminierung bewegten ihn dazu, aktiv zu werden. 2004 ging er nach Charkiw in der Ukraine, um zu studieren. Dort wurden er und andere afrikanische Studierende immer wieder Opfer von Rassismus, auch von Seiten der Behörden.

Degadjor fing bei BloggingGhana zu schreiben an, der größten Gemeinschaft von Bloggern in seinem Heimatland. Bloggen, so sieht er es heute, gab ihm eine gewisse Autorität und eine Stimme in einer Community. Der Austausch mit Gleichgesinnten war und ist ihm wichtig: „Ab dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe zu bloggen, war ich mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt verbunden. Alle brannten darauf, die Welt mit ihren Ideen zu verändern.“ Es bildete sich eine Gemeinschaft junger Leute, die die Zukunft Afrikas mitgestalten wollte, „von Accra bis Sansibar“. Good Governance sei etwa ein Thema, das die Community aktuell diskutiere.

Probleme mit Behörden hat Degadjor keine. Aber nicht allen seinen Kolleginnen und Kollegen geht es so: Besonders im Sudan sei die Situation kritisch. Die Websites von Bloggern wie Usamah Mohamed würden gehackt, Computer beschlagnahmt. Immer wieder landen Bloggerinnen und Blogger auch im Gefängnis.

Mittlerweile ist Degadjor ein gefragter Mann, auch offline: Er schrieb für die New York Times und wird zu Konferenzen in verschiedenen afrikanischen Staaten, nach Deutschland und in die USA eingeladen. Mittlerweile kann der Ghanaer als Social Media Consultant und Jungunternehmer seinen Lebensunterhalt verdienen.

Aus seiner Sicht geben europäische und US-Medien im internationalen Konzert immer noch den Ton an. Afrika hinke nach: „Es ist offensichtlich, dass unser Mediensystem sehr unterentwickelt ist und sich unsere Medien nach wie vor auf den Westen stützen.“ Der katarische Sender Al Jazeera habe etwas verändert – und Degadjor kann dem neuen Player am globalen Medienmarkt einiges abgewinnen: „Al Jazeera versucht dazu beizutragen, dass die Stimmen aus dem Süden gehört werden. Die westlichen Medien zitieren Al Jazeera allerdings selten und behandeln ihn kaum als glaubwürdiges Medium.“ Ein Umgang, der aus der Sicht des Ghanaers nicht fair ist.

In den vergangenen Jahren wurden chinesische Staatsmedien am afrikanischen Medien-Markt immer aktiver, etwa die Nachrichtenagentur Xinhua oder der Auslandsrundfunk China Radio International. Degadjor sieht in der chinesischen Medien-Präsenz durchaus auch Vorteile für Afrika: „Westliche Medien transportieren nach wie vor Afrika-Klischees. Und kein Medium, das in afrikanischem Besitz ist, wird das so schnell ändern können.“

Degadjor setzt viel Hoffnung in das Internet: In Afrika seien traditionelle Medien, vor allem Radio, immer noch sehr wichtig. Doch die Bedeutung des Internets nehme rasch zu. Degadjor verweist auf unterschiedliche Online-Technologien und Programme, die auf spezifische, teils regionale Anforderungen zugeschnitten sind: Etwa mobile Lösungen für den Gesundheitsbereich wie die Anwendung MOTECH (Mobile Technology for Community Health), die in Ghana Hebammen und werdende Mütter miteinander verbindet. Auch Alternativen zu Smartphone-Apps, die auch auf einfacheren Handys laufen, werden in Afrika entwickelt. Saya Mobile, zum Beispiel, sei die Antwort auf die SMS-Anwendung WhatsApp.

Das Internet bietet laut Degadjor zudem die Möglichkeit, das Bild Afrikas neu zu definieren. Dazu könnten nicht zuletzt Blogger wie er selbst beitragen. Zusammen mit Gleichgesinnten will er zeigen, „dass Afrika eine Menge von fokussierten, hart arbeitenden Menschen hat, die sich neue Wege bahnen“.

Was auch immer Innovatives auftaucht in Ghana und darüber hinaus, Mac-Jordan Degadjor wird darüber auf seinem Blog berichten. Smartphone, Tablet oder Laptop hat er dafür immer griffbereit.

www.macjordangh.com

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