Eine besondere Beziehung

Für Moldaus Entwicklung spielt Österreich eine große Rolle. Ralf Leonhard informiert.

Suppenküche in Moldau: Das Land ist das ärmste Europas, seit 2004 ist es Schwerpunktland der österreichischen EZA.© B. Kaufmann / CONCORDIA

Seit 1994 ist die österreichische Entwicklungszusammenarbeit in der Republik Moldau präsent, seit 2004 ist Moldau eines ihrer Schwerpunktländer. In diesen Jahren hat sich Österreich zu einem der „big player“ in dem statistisch ärmsten Land Europas entwickelt und liegt an achter Stelle, was das umgesetzte Volumen an Geld betrifft.

Mit Gero Stuller hat Österreich einen eigenen Sozialattaché an der Botschaft in der Hauptstadt Chişinău. Er verwaltet zwar mit 30.000 Euro jährlich ein geringes Grundbudget, kann jedoch Reformen und Prozesse anstoßen. Etwa sozialökonomische Betriebe.

Der erste wurde mit österreichischer Beratung und Finanzierung 2013 auf die Beine gestellt. Das von der österreichischen Volkshilfe aufgebaute Catering-Unternehmen Floare de Cireş, das etwa 30 geistig oder körperlich behinderte Jugendliche oder Auszubildende mit schwierigem familiären Hintergrund beschäftigt, wird nicht nur von der österreichischen Botschafterin für ihre Empfänge gebucht. „Der Betrieb finanziert sich inzwischen selbst“, freut sich Stuller.

Die Arbeitslosigkeit in Moldau ist mit offiziell 3,5 Prozent gering, weil qualifizierte Arbeitskräfte im Ausland bessere Verdienstmöglichkeiten suchen.

Jeden Tag verlassen im Schnitt 106 StaatsbürgerInnen das Land. Sie fehlen zwar am heimischen Arbeitsmarkt, tragen allerdings mit ihren Geldsendungen an ihre Angehörigen erheblich zum wirtschaftlichen Überleben der Haushalte bei.

Erfahrungsaustausch. Gemeinsam mit dem Baukonzern Strabag waren österreichische Behörden und Institutionen an der Gründung der eben eröffneten Akademie für Bauwirtschaft beteiligt. Nach österreichischem Vorbild wurde kürzlich das Sozialversicherungswesen reformiert. Mit ExpertInnenseminaren gibt man Anstöße für Bereiche wie soziale Absicherung.

Das Koordinationsbüro der Austrian Development Agency (ADA) hat in den vergangenen 23 Jahren rund 40 Millionen Euro umgesetzt, sagt Büroleiter Alexander Karner. Dazu kommen noch Drittmittel, die über EU-Projekte akquiriert werden. Vor allem auf den Gebieten Bildung und Wasserversorgung sei Österreich führend.

In der Kleinstadt Nisporeni wurden zwei Drittel der Haushalte mit Trinkwasseranschlüssen ausgestattet.

Österreichs duales Berufsausbildungssystem, bei dem theoretische Ausbildung mit Lehre kombiniert wird, ist von Moldau übernommen worden.

Das Umweltministerium von Moldau wird in Sachen Klimastrategie beraten.

In einer psychiatrischen Einrichtung in der Gemeinde Branzeni im nördlichen Bezirk Edinet erhalten 350 PatientInnen Langzeitpflege. Sie wurde von der Organisation Pro Mente aus Oberösterreich eingerichtet und von der ADA mit 217.000 Euro mitfinanziert.

Landesweites Engagement. Aus Österreich kommt auch die größte im Sozialbereich engagierte NGO des Landes. Die Concordia Privatstiftung hat 2016 mehr als 1,8 Millionen Euro in 34 Sozialzentren und 70 Nebenstellen investiert, auch in entlegensten ländlichen Gebieten.

Das einst vom Jesuitenpater Georg Sporschill für Waisen und Straßenkinder gegründete Projekt hat sich in den 13 Jahren seiner Tätigkeit in der Republik Moldau zu einer nach modernen Standards arbeitenden Organisation entwickelt. Die nach dem Modell der Kinderdörfer konzipierte Stadt des Kindes wurde aufgelöst. Mittlerweile sind alle betreuten Kinder in Pflegefamilien untergebracht.

Neben 25 über das ganze Land verteilten Suppenküchen und sieben Sozialzentren mit Betten und ambulanter Versorgung ist Concordia mit punktueller Hilfe zur Stelle, wenn irgendwo akut geholfen werden muss.

Ralf Leonhard ist freier Autor und schreibt seit über 35 Jahren für das Südwind-Magazin.

Die Reise nach Moldau erfolgte auf Einladung der Privatstiftung Concordia.

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