Eine Legende spielt auf

Brasiliens musikalischer Großmeister Gilberto Gil kommt auf Besuch ins Wiener Konzerthaus.

Gilberto Gil mit Sohn Bem Gil und dem Cellisten Jaques Morelenbaum.

Schon als kleines Kind im Landesinneren Brasiliens kam Gilberto mit Akkordeonspielern und Troubadouren in Berührung, und als er acht war, übersiedelte die Familie nach Salvador de Bahía, in die Hauptstadt afrobrasilianischer Kultur und Lebensfreude. Zuerst erlernte er das Akkordeon und dann Gitarre.

Die Tropicália-Bewegung im Brasilien der 1960er Jahre war nicht nur eine künstlerische Reaktion auf die bleierne repressive Epoche des Militärregimes, es war ein eigenes Lebensgefühl, ein frecher und schriller Aufschrei in Zeiten des kulturellen und politischen Tiefstandes. Kein Wunder, dass die zwei musikalischen Hauptexponenten der Bewegung, Caetano Veloso und Gilberto Gil, verhaftet wurden und dann das Land verließen.

Bereits 1972, 13 Jahre vor dem Ende der Militärdiktatur, kehrte er aus dem Londoner Exil zurück und zog es nunmehr vor, die stürmischen tropikalischen Jahre Vergangenheit sein zu lassen. Gil befasste sich nunmehr mit den Wurzeln der brasilianischen Musik, erforschte die Musik des ländlichen Raumes und des afrikanischen Brasiliens. Zusammen mit Caetano Veloso, der ebenfalls 1972 nach einer Amnestie aus dem Exil zurückgekehrt war, und dessen Schwester Maria Bethânia gehört Gilberto Gil zu den Erneuerern der populären Musik in ihrer Heimat.

Von Anfang 2003 bis zum Juli 2008 war Gil Kulturminister in den beiden Regierungen von Präsident Lula. Seinen Rücktritt hatte er schon einige Monate zuvor angekündigt, da das Ministeramt und die Musikerkarriere nicht mehr länger vereinbar seien. Vielleicht war aber auch die zunehmende Kritik, die ihm als Politiker entgegengebracht wurde, der Grund für den Rücktritt. Es gab offenbar Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Kulturprojekten aus seinem Ministerium. Dass er für eine Freigabe der Drogen plädierte, mag vielleicht eine Hommage an seine Tropicália-Zeit gewesen sein, dass er Bandenchefs in den Slums von Rio besuchte, fand schon weniger Verständnis in Brasilien.

Auf jeden Fall ist Gilberto Gil nun wieder verstärkt musikalisch unterwegs, komponiert und singt, unternimmt Tourneen.

In Wien wird der populäre Künstler sein neues Projekt „The String Concert“ präsentieren, mit lediglich zwei Gitarren (an einer davon sein Sohn Bem), Stimmen und Cello.

red

Wiener Konzerthaus, 12. April, 19:30 Tel. 01/24 20 02
www.konzerthaus.at

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