„Eine Sehnsucht der Menschen“

Mitte Dezember hat der Film „Die Ökonomie des Glücks“ von Helena Norberg-Hodge in Wien Premiere. Er thematisiert Alternativen des wirtschaftlichen Handelns und zeigt auf, welchen Paradigmenwechsel in unseren Köpfen es dafür braucht. Mit der globalisierungskritischen Vordenkerin sprach Südwind-Redakteur Werner Hörtner.

Helena Norberg-Hodge

Südwind Magazin: Wie ist die Idee zu diesem Film entstanden?
Helena Norberg-Hodge:
Ich habe vor Jahren ein Buch geschrieben, Ancient Futures, und wir haben dann einen gleichnamigen Film darüber gedreht. Darin werden die riesigen Veränderungen beschrieben, die ich im Laufe der Zeit festgestellt habe, vor allem in Ladakh. Menschen auf der ganzen Welt haben mir dann gesagt, diese Geschichte von Ladakh ist auch unsere Geschichte. Von Polen bis Peru, von Burma bis Slowenien, in Südkorea, wo dieses Buch ein Bestseller wurde, überall. Die Idee zum Film war dann, zu zeigen, dass diese hoch-zentralisierte Wirtschaft auf der ganzen Welt dieselben verheerenden Folgen hat, und es sind auch dieselben Akteure, die dahinter stehen, die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, und es liegt überall dieselbe Struktur zu Grunde: ein Wirtschaftssystem, in dem aufgehört wurde, für die eigenen Leute und Regionen zu produzieren.

Und was hat Sie dann inspiriert, diesen Film zu drehen?
Ich habe in Ladakh die furchtbaren Auswirkungen dieser Form von Wirtschaft selbst erleben können. Binnen kurzer Zeit wurde eine intakte traditionelle Gesellschaft und Ökologie zerstört, es entstand Arbeitslosigkeit – was vorher unbekannt war –, gewalttätige Konflikte zwischen lokalen Gruppen brachen aus.
Wir haben während fünf Jahren in vielen Ländern in allen Kontinenten gedreht. Und es war sehr schwierig, aus der Menge von Material, das wir hatten, einen Film von 65 Minuten zusammenzuschneiden.

Wie wurde dieser Film finanziert?
Vor allem durch Zuwendungen privater Spender und Spenderinnen. Von keinem Unternehmen, keinen Regierungen, nicht einmal von den Stiftungen der Reichen dieser Welt.

Haben Sie bei Ihren Besuchen in Ladakh feststellen können, dass nunmehr die Menschen selbst bemerkt haben, wohin sie dieser Weg der Kommerzialisierung des Lebens geführt hat?
Es hat einige Zeit gebraucht, aber nun kommen immer mehr Menschen drauf, wohin sie dieser Weg führt. In den letzten Jahren sind die Auswirkungen der Globalisierung von Indien auch auf Ladakh übergeschwappt und haben auch dort zu Korruption und zu anderen destruktiven Veränderungen geführt.

Der Film ist in den USA bereits gezeigt worden. Was waren die Reaktion darauf?
Wir waren begeistert von den Reaktionen. Ich glaube, der Film drückt eine Sehnsucht der Menschen aus. Von den Mainstream-Medien allerdings gab es keine Reaktionen.
Der Film startete in den USA Anfang des Jahres, und im Winter passierte es manchmal, dass die Menschen mitten in einem Schneesturm Stunden auf den Einlass warteten oder dass wir Hunderte abweisen mussten, da der Saal schon voll war. Das Interesse war wirklich überwältigend.

Zweifellos ist die Zeit für so einen Film sehr günstig. Immer mehr Menschen erkennen, wohin uns dieser Weg des Raubbaus an der Natur, der Zerstörung unseres Habitats führt.
Ja, und ich bin überzeugt davon, dass wir in Zukunft uns noch viel stärker vernetzen müssen mit den Bewegungen, die rund um diese allgemeine geistige, ökologische und soziale Krise aktiv sind, und ich hoffe sehr, dass unser Film so etwas wie ein Instrument für die Arbeit dieser Initiativen darstellen kann.

Wie kann diese Vernetzung der verschiedenen Bewegungen und Initiativen bewerkstelligt werden?
Unserer Meinung nach ist es sehr wichtig, dass die Organisationen sich über den Austausch von Informationen und Ideen verlinken können, dass sie zusammenarbeiten, dass sie so etwas wie eine Gegenbewegung bilden. Ganz wichtig dabei ist auch, eine klare Vision davon zu haben, was wir wollen und was wir nicht wollen. Ein großes Problem liegt darin, dass die Linke immer glaubt, dass wir immer größerere, immer mächtige Regierungen brauchen, während wir doch danach trachten sollen, zu dezentralisieren, die Macht der Wirtschaft, der Banken usw. zu minimieren.

Website zum Film: www.theeconomicsofhappiness.org
Der Film „Ancient Futures“ ist auf video.google.com vollständig zu sehen. Österreich-Premiere „Die Ökonomie des Glücks“ von Helena Norberg-Hodge, Steven Gorelick und John Page, 68 min, OF mit deutschen UT. 15. Dezember 2011, 19 Uhr im Burg Kino, Wien 1, Opernring 19 (einmalige Aufführung).

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