Eine Welt der Vielfalt

Die Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen UNDP macht Kultur zum Thema des Jahres.

Von MaK
Fast 400 Seiten stark ist der neu erschienene UNDP-Bericht über die menschliche Entwicklung 2004 mit dem Titel „Kulturelle Freiheit in unserer Welt der Vielfalt“. Was sich die VerfasserInnen zum Ziel gesetzt haben, lässt sich bereits vom Titelblatt ablesen: „Den zunehmenden Forderungen der Menschen nach Eingliederung in die Gesellschaft, nach Achtung ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Religion und ihrer Sprache gerecht zu werden, erfordert mehr als Demokratie und ausgewogenes Wachstum. Es werden multikulturelle politische Handlungskonzepte benötigt“. Dafür liefert der grafisch gut aufbereitete Bericht mit einer Fülle an Daten, Untersuchungen, Informationen und Überlegungen zum Thema entscheidende Inputs.

Von den fünf Menschenrechtskategorien, so die VerfasserInnen, bleibt die Definition kultureller Rechte hinter Bürgerrechten, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechten zurück. So konnte sich die UNO-Menschenrechtskomission erst 2002 zu einer ersten Resolution zur „Förderung des Genusses der kulturellen Rechte aller Menschen und des Respekts für unterschiedliche kulturelle Identitäten“ durchringen. Die Bedenken sind groß, dass das Zugeständis kultureller Rechte an ethnische, religiöse, sprachliche und andere kulturelle Gruppen staatliche Einheit gefährden könnte. Warum dem so ist, erklären die AutorInnen im Vorwort anhand von fünf hartnäckigen Mythen. Sie laufen im Wesentlichen darauf hinaus, dass ethnische Vielfalt den inneren Frieden gefährde und ethnisch vielgestaltige Länder weniger entwicklungsfähig seien. Auch würde kulturelle Freiheit verlangen, traditionelle Gebräuche anzuerkennen, die sich nicht mit Entwicklung, Demokratie und Menschenrechten vereinbaren lassen.

Diese Mythen werden mit vielen Argumenten widerlegt. Um Vielfalt auf Basis einer Anerkennung der Menschenrechte zu fördern, gilt es zuallererst die Idee aufzugeben, dass kulturelle Unterschiede ein unveränderliches, exotisches Anderssein bedeuten. Weiters kann kulturelle Identität nicht verordnet werden. Es gilt hier, Bedingungen dafür zu schaffen, „dass alle Menschen selbst wählen können, wer sie sind“. Der Gedanke der Wahlmöglichkeit und der Veränderbarkeit von Kulturen sind wesentliche Voraussetzungen für kulturelle Freiheit. Denn Menschen sind bei entsprechender Politik durchaus fähig, sich als StaatsbürgerInnen und gleichzeitig als Zugehörige zu ethnischen, religiösen und anderen kulturellen Gruppen zu verstehen.
Das erste Kapitel über kulturelle Freiheit und menschliche Entwicklung stammt von niemand Geringerem als dem indischen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Amartya Sen, Sonderbeiträge kommen unter anderem von Nelson Mandela und der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

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