Elfenbeinbegräbnis

Afrikanische Staaten wollen dem illegalen Handel mit Elfenbein stärker entgegentreten. Wenn sie das nicht schaffen, könnten Afrikas Elefanten bald ausgerottet sein, berichtet Simone Schlindwein.

Fotos, die um die Welt gingen: Über 100 Tonnen Elfenbein, gestapelt zu Scheiterhaufen, gehen in Flammen auf. Stundenlang war der blaue Himmel über Kenias Savannenlandschaft am 30. April von dunklem Rauch verhangen – ein loderndes Signal gegen den weltweit florierenden Handel mit dem „weißen Gold“, wie die kostbaren Elefantenstoßzähne genannt werden. 6.700 Tiere mussten für das Elfenbein auf diesem Feuerhaufen sterben.

Wenige Monate vor dem globalen Elfenbeingipfel im Oktober in Südafrika setzte Kenia im Voraus ein Zeichen: „Mir wurde mehrfach gesagt, es sei ein fundamentaler Fehler für ein armes Land, das Elfenbein zu zerstören“, so der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta anlässlich der Elfenbeinverbrennung: „Wir sollen lieber die 150 Mio. US-Dollar, die es wert ist, für die Entwicklung unseres Landes nutzen. Aber Kenia ist ebenso reich an Naturerbe, das Gott uns gegeben hat, und wir sollen auch dieses beschützen.“ Kenia fordert nun alle Staaten auf, sich gegen jeglichen Handel von Elfenbein auszusprechen – auch den regulierten und legalen. Sonst bestehe das Risiko, dass diese „wunderbaren Geschöpfe“ bis 2025 ausgerottet sind, so Kenyatta.

Handel regulieren? Die südafrikanischen Länder Südafrika, Botswana, Simbabwe und Namibia hingegen beharren seit Jahrzehnten auf einem anderen Ansatz, den Elefantentötungen entgegenzutreten: den legalen, zertifizierten und regulierten Handel. Um die enorme Nachfrage zumindest teilweise zu befriedigen, soll es erlaubt sein, die von Naturschutz- und Zollbehörden konfiszierten Stoßzähne zu verkaufen, um mit dem Ertrag den Tierschutz und die Nationalparks zu finanzieren. Auch darüber soll auf dem Gipfel im Herbst erneut diskutiert werden.

Rund 30.000 Elefanten werden in Afrika jährlich getötet. Nur noch eine halbe Million sind übrig auf dem Kontinent, vor 1980 sollen es noch rund 1,3 Millionen gewesen sein. Tansania meldete unlängst: In den vergangenen fünf Jahren seien 60 Prozent der Bestände des Landes getötet worden, über 70.000 Tiere. Mosambik meldete eine Reduktion von rund 50 Prozent. In Südafrika hat die Wilderei zwischen 2007 und 2015 um mehr als 9.000 Prozent zugenommen.

Eine Elefantenherde am Fuße des Kilimandscharo in Tansania, Ostafrika. Rund 30.000 Elefanten werden auf dem ganzen Kontinent jährlich getötet.© christineo / fotolia

Umwelt- und Tierschutzorganisationen schlagen Alarm: Ein einziges Kilo Elfenbein ist auf dem Weltmarkt derzeit rund 60.000 Dollar wert, so Expertinnen und Experten. Das Geschäft ist weitaus lukrativer als der Kokainhandel.

Angekurbelt wird die Nachfrage vor allem aus Asien. In China, Vietnam oder auf den Philippinen werden aus Elfenbein traditionell kunstvolle Schnitzereien, Statuen oder Skulpturen gefertigt – das „Weiße Gold“ im Wohnzimmerschrank stehen zu haben, ist für die aufstrebende Mittelklasse ein Statussymbol.

Kriegsprofiteure. Das meiste in Asien verwendete Elfenbein stammt aus Afrika. Aus dem krisengeplagten Herzen des Kontinents wird es über Uganda, Kenia oder Tansania an den Indischen Ozean geschmuggelt. Profite machen damit vor allem Kriegsherren in der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik oder dem Sudan.

Das berühmteste Beispiel sind die Geschäfte der ugandischen Rebellenmiliz LRA („Widerstandsarmee des Herren“) unter dem Rebellenführer Joseph Kony. Seine Kämpfer verstecken sich seit zehn Jahren im Busch des Garamba Nationalparks im Nordosten des Kongo und in den Naturschutzgebieten im Osten der Zentralafrikanischen Republik.

Vor dem LRA-Einmarsch lebten im Garamba-Park noch über 4.000 Elefanten, jetzt sind es nur noch 1.500. Allein im Jahr 2015 wurden 114 getötet. In beiden Ländern herrscht Bürgerkrieg – also optimale Bedingungen für die ungehinderte Elefantenjagd. Recherchen bestätigen, dass auf den Routen an die ostafrikanischen Häfen Militärs und andere korrupte Offizielle der Transitländer ebenfalls am Schmuggel beteiligt sind. Innerhalb von einem Jahr meldete die Garamba-Parkverwaltung 31 Kontakte mit Militärs auf Elefantenjagd, darunter Soldaten aus Sudan, Südsudan oder Uganda. Im April wurden drei kongolesische Parkwächter bei einem Schusswechsel getötet, ein Schwede verletzt. Der Kampf gegen den illegalen Elfenbeinhandel ist ein gefährliches Unterfangen.

Um den Schmuggel zu unterbinden, führen die Transitländer Uganda und Kenia jetzt mehr Kontrollen durch. 2015 entdeckte der Zoll in Ugandas internationalem Flughafen in Entebbe 48 Kisten mit Stoßzähnen. Kurz darauf gab Ugandas Naturschutzbehörde bekannt: Über 1.000 Kilo im Wert von über einer Million Dollar seien aus den beschlagnahmten Beständen verschwunden. Der Behördenchef und weitere Angestellte wurden daraufhin wegen Korruption gefeuert.

SchmugglerInnen vor Gericht. In Tansania wurden im März zwei Chinesen zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt – nicht zuletzt ein symbolischer Prozess. Ihr Schmuggelring soll für den Tod von 226 Elefanten verantwortlich sein. Im Oktober 2015 wurde zuvor eine Chinesin wegen Elfenbeinhandels angeklagt. Die Geschäftsfrau war unter dem Spitznamen „Elfenbeinkönigin“ bekannt, sie soll laut Anklage für den Tod von 350 Tieren verantwortlich sein. Zuvor war in Tansania bekannt geworden, dass eine offizielle chinesische Staatsdelegation tonnenweise Elfenbein in ihrem Diplomatengepäck aus dem Land geschmuggelt haben soll. Die Regierungen Tansanias und Chinas streiten dies ab.

Die Naturschutzgebiete in Tansania zählen derzeit zu den gefährdetsten, so die Tierschutzorganisation WWF. Derzeit sorgt sie sich besonders um die Elefantenbestände im Wildreservat Selous, wie so viele Nationalparks Afrikas ein UNESCO-Weltnaturerbe: Es zählte einst zu den Gebieten mit der höchsten Elefantendichte Afrikas. In weniger als 40 Jahren ist die Elefantenpopulation des Selous um 90 Prozent gesunken. Jetzt sind nur noch 15.000 Tiere übrig. In Spitzenzeiten wurden jeden Tag sechs Elefanten erschossen.

WWF schickt Drohnen. Um den hochprofessionellen Wilderer-Syndikaten besser auf die Spur zu kommen, übergab der WWF im Mai der Parkverwaltung zehn Drohnen. Ziel sei es, im riesigen Selous dadurch frühzeitig Aktivitäten von Wilderern zu erkennen und sie schneller aufzuspüren – aus sicherer Distanz. Die Ranger erhalten außerdem Schulungen zum Umgang mit den Drohnen und zur Auswertung des gewonnenen Materials.

Über neue Wege, den Massenmord an Tieren und den illegalen Handel einzudämmen, soll auch auf dem internationalen Gipfel im Oktober im südafrikanischen Johannesburg diskutiert werden.

Simone Schlindwein ist freie Journalistin in der Region der Großen Seen.

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