ELYMA: Die Barockmusik Lateinamerikas

Von Stefan Schennach ·

Z.B.: Lima – La Plata, Missions Jésuites: K 617 025, Harmonia Mundi, USA.

Die wunderbare Welt der Barockmusik war nicht nur auf Europa beschränkt. Im 17. und 18. Jahrhundert kam es von Mexiko bis Argentinien zur Verbreitung und Entwicklung einer lateinamerikanischen Ausprägung der Barockmusik. Es ist vor allem dem in der Schweiz ansässigen und vorwiegend aus ArgentinierInnen bestehenden Ensemble Elyma und seinem Begründer Gabriel Garrido zu verdanken, dass diese Musik jetzt auch in Europa zu hören ist. Dokumentiert wird diese besondere Musikgattung in der umfassenden CD-Edition „Les Chemins du Baroque“. Das Ensemble Elyma, dessen Namen sich aus dem Altgriechischen ableitet und der erstmals bei Sophokles als Begriff für Holzflöte verwendet wird, musiziert auf alten Instrumenten, um auch die Klangfarbe dieser Zeit wiederzugeben. Garrido versteht sich speziell auf die in der Barockzeit übliche Stimmenaufstellung. Kirchenmusik aus der Neuen Welt, in der es aber bereits zu diesen ganz spezifischen Einflüssen Lateinamerikas kommt. Diese Musik ist keine Kopie der europäischen, obwohl ihre Wurzeln so eindeutig sind, wie auch die grausame Geschichte der Europäer auf diesem Kontinent.

Wochenlange, gefährliche Seereisen von den Zentren Madrid, Lissabon und Rom entfernt, entwickelte sich hier die Barockmusik freier und unbeschwerter von der strengen musikalischen Tradition der Heimat. Die Komponisten waren unterschiedlich stark in der Lage, die Musik der verschiedenen indianischen Kulturen zu integrieren.

Die SolistInnen Andriana Fernandez, Rosa Dominguez, María Cristina Kier, die Countertenöre Martin Oro und Fabian Schofrin, die Baritone Alejandro Meerapfel, Furio Zanasi, die Mezzosopranistin Alicia Borges sowie die Mädchenchöre Ninos Cantores de Cordoba und Chor Vivaldi aus Katalanien verstehen es meisterlich, diesen Werken das Leben der Alten Musik Lateinamerikas einzuhauchen.

Mit den CDs „Lima – La Plata, Missions Jésuites“, „Le Phénix du Mexique“ oder „Música Sacra do Brasil colonial“ spannt Gabriel Garrido einen großen Bogen, der von den Komponisten Juan de Auraujo Lima (1648-1712), Domenico Zipoli (1688-1726) bis zu Andrés Flores (1690-1754), Blas Tardio Guzman (†1750) und Manuel de Mesa (1725-1773) reicht. Das reiche Musikschaffen des Ensembles Elyma, dem wir in Europa bereits mehr als 21 CD-Aufnahmen verdanken, ist auch im Internet dokumentiert (www.CD-baroque.com). Leider gibt es in Österreich keine Auslieferung mehr, Bestellungen über den Fachhandel sind trotzdem möglich.

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