Emmanuel Todd: Welt-Macht USA

Ein Nachruf.

Von lym
Aus dem Französischen von Ursel Schäfer und Enrico Heinemann.
Piper Verlag, München 2003, 288 Seiten, € 13,40

Auf den Bestseller-Listen steht Emmanuel Todd gleich nach Michael Moore („Stupid white men“, siehe Rezension SWM Nr. 4/2003, S. 39). George W. Bush hat es endlich geschafft, wovon viele Linke und AntiimperialistInnen schon lange träumen: seine Popularitätswerte sind erheblich gesunken, und international stößt seine expansionistische Politik immer mehr auf Kritik und Widerstand. Das Cover (wie bei einem Kondolenzschreiben schwarz umrahmt) besticht, auch der Buchtitel wirkt irgendwie anziehend, doch der Inhalt ist höchst beunruhigend. Die USA sei eine Weltmacht, die wirtschaftlich abhängig, jedoch politisch überflüssig geworden ist, so Todds These. Das fundamentale strategische Ziel der USA sei die weltweite politische Kontrolle über die Ressourcen des Planeten. „Jedoch können die Vereinigten Staaten wegen ihres ökonomischen, militärischen und ideologischen Machtverlustes die Welt, die zu groß geworden ist, zu bevölkerungsreich, zu gebildet, zu demokratisch, nicht mehr so effektiv lenken wie in der Vergangenheit“ schreibt Todd.
Die wahren strategischen AkteurInnen der Zukunft seien Russland, Europa und Japan, so der Autor. Mit diesen Mächten werde sich die USA arrangieren müssen. Der einzige Weg, politisch im Zentrum der Welt zu bleiben, bestehe darin, kleinen AkteurInnen entgegen zu treten bzw. sie militärisch anzugreifen. Deshalb würden sich die USA künftig auf kleinere Mächte konzentrieren, nämlich auf Irak, Iran, Nordkorea, Kuba usw. Emmanuel Todd zeichnet eine ausgezeichnete Analyse der gegenwärtigen US-amerikanischen Außenpolitik, beschreibt eine Supermacht am absteigenden Ast und erklärt, warum dieser Niedergang ein so gefährlicher ist.

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