Entwicklung durch Vernetzung. Informations- und Kommunikationstechnologien in Afrika

Christopher Coenen, Ulrich Riehm

Von Sarah Funk
Sachbuch, edition sigma, Berlin 2008, 272 Seiten, € 22,90

In ihrer detaillierten und materialreichen Studie über die Bedeutung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für Entwicklung überzeugen die Autoren mit einer differenzierten und vielschichtigen Analyse eines viel diskutierten Themas. Welchen Beitrag können IKT und vor allem das Internet zu gesellschaftlicher Entwicklung leisten? Im Diskurs über die globale Informations- und Wissensgesellschaft gelten Entwicklungsländer als noch nicht genügend vernetzt, als offline. Die Überbrückung der digitalen Spaltung stellt daher ein zentrales Vorhaben der internationalen Gemeinschaft dar. Allzu oft wird die internationale Diskussion jedoch durch einen haltlosen Optimismus dominiert, der IKT gar magische Kräfte zuschreibt. In dieser Konzeption wird Technologie zum Motor gesellschaftlicher Veränderung, der zur Lösung globaler Probleme und Konflikte führen soll. Der sich hier offenbarende Technikdeterminismus gipfelt in der Sichtweise, man müsse Menschen lediglich Technik zur Verfügung stellen, um ihre im weitesten Sinn sozialen Probleme zu lösen.

Dieser Auffassung widersprechen Coenen/Riehm entschieden und diskutieren mit Blick auf Afrika südlich der Sahara die Potenziale, aber auch die Begrenzungen einer sinnvollen Nutzung von IKT für Entwicklung. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den konkreten Anwendungsfeldern Demokratisierung, Wirtschaft sowie Bildung und Forschung. Gegen das Klischee einer immerwährenden afrikanischen Rückständigkeit und Technologiefeindlichkeit verweisen die Autoren auf die bereits existierende Vielfalt der IKT-Nutzung in der Weltregion, machen jedoch gleichzeitig auf die schwierige Ausgangslage aufmerksam. Zentrale Aussage: Es gibt keinen Königsweg für einen entwicklungspolitisch relevanten IKT-Einsatz. Ohne die Berücksichtigung der Rahmenbedingungen vor Ort und einer aktiven Beteiligung der Zielgruppe sind IKT-Projekte nicht zielführend. Vor diesem Hintergrund kommen die Autoren zu einer ambivalenten Einschätzung der One Laptop Per Child-Initiative (siehe Seite 32/33). Fazit: Eine lesenswerte Studie, die die komplexe Thematik nicht auf ein einfaches Schwarz-Weiß-Schema reduziert.

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