Entwicklung im 21. Jahrhundert

"Ohne Frieden ist alles nichts!"

Von Brigitte Pilz

Willy Brandt hat das Wort geprägt: "Ohne Frieden ist alles nichts!" Wenn sich dieses SÜWIND-Thema mit Aspekten der Entwicklung im 21. Jahrhundert beschäftigt, könnte dieses Wort Willy Brandts wie ein Motto drüber stehen. Wo in kriegerischen Auseinandersetzungen Menschen getötet werden, wo man in Kämpfen Häuser, Straßen, Brücken zerstört, wo Bauern und Bäuerinnen ihre Ernte nicht einbringen können, weil eine Schlacht tobt, dort ist Leben unmöglich. Zuerst muss zumindest Waffenruhe hergestellt werden, bevor andere Bemühungen um ein "normales" Dasein greifen.

Eines sollten wir allerdings nicht übersehen: Frieden ist mehr als die Abwesenheit von bewaffnetem Kampf. Ein gedeihliches Leben kann sich erst entwickeln, wenn andere Bedingungen erfüllt sind: soziale Gerechtigkeit zum Beispiel, die Erfüllung von Menschenrechten, gleiche Chancen für Frauen und Männer. Oder wollte man das Frieden nennen, wenn sich Männer noch immer das "Recht" nehmen, Frauen aus Gründen, die sie Ehre nennen, zu töten. Menschen werden ihrer Hautfarbe, ihres "Andersseins" wegen verachtet, verfolgt, vertrieben. Frieden gibt es auch dort nicht, wo Geld, das der Bevölkerung gehört, in private Taschen fließt.

Willy Brandt hat mit Sicherheit nicht Friedhofsruhe gemeint, wenn er vom Frieden sprach. Viel wird derzeit, wenn von den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts die Rede ist, von Konfliktprävention gesprochen. Gemeint ist die Vermeidung der bewaffneten, der gewaltsamen Austragung von Konflikten. Man weiß, dass durch Kriege Entwicklungsbemühungen von Jahrzehnten in kürzester Zeit zunichte gemacht werden (ganz abgesehen von den Geldmitteln, die in die Kriegsmaschinerie fließen). Doch solange Frieden nicht mehr umfasst als die Abwesenheit von Kriegslärm, wird es auch im 21. Jahrhundert keine gedeihliche Entwicklung für alle geben.

Die AutorInnen dieses Themas haben spezielle Herausforderungen und Visionen der Entwicklung im 21. Jahrhundert aufgezeigt. Sie weisen aber auch darauf hin, was auf diesem Weg Behinderung sein kann oder ist.


Das SÜDWIND-Thema "Im Zeichen der Globalisierung: Entwicklung im 21. Jahrhundert" gliedert sich in zwei Teile. Der vorliegende 1. Teil befasst sich mit Globalisierung im allgemeinen und mit ihrem Einfluss auf die Entwicklungspolitik. Im 2. Teil (SWM 1-2/2001) werden wir Fragen von Kultur und Entwicklung in einer immer rascher sich verändernden Welt behandeln, in der gleichzeitig die Uniformierung der Gesellschaften beschleunigt wird.

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