Werner Leiss hört sich um

Erfrischende Momente

Weltmusikalische Höhepunkte aus Österreich bieten Großmütterchen Hatz & Klok, Black Market Tune und das Trio Indian Air.

Das Personal der Bandfusion Großmütterchen Hatz & Klok kommt aus der Steiermark, der Schweiz, Südtirol und Kroatien. Ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten sie anlässlich der Eröffnung der Wiener Festwochen 2016. Nun liegt ihr erstes gemeinsames Album „Salon Oskar“ vor. Mit Akkordeon (Franziska Hatz), Saxofon, Bass- und orientalischer Klarinette (Richard Winkler), Bass, Kontrabass (Roman Britschgi), Gitarre (Jörg Reissner) und Schlagzeug (Saa Nikoli) werkt ein abwechslungsreich jazziges Ensemble. Die zahlreichen folkloristischen Elemente reichen vom Orient bzw. Balkan bis hin zu osteuropäisch-jüdischen Einflüssen. Es gibt ruhige Momente, meist jedoch groovt und swingt es. Daneben ist reichlich Platz für Improvisationen.

Mit Geige und Violine. Black Market Tune überzeugen auf „Drifters & Vagabonds“ mit einem experimentierfreudigen neuen Entwurf traditioneller Volksmusiken und ergänzen ihn mit selbst komponiertem Material. Gegründet wurde die Formation von dem aus dem Waldviertel stammenden Paul Dangl. Er ist einer der führenden österreichischen Violinisten und obendrein seit etlichen Jahren einer der treibenden Motoren der heimischen Folk- und World Music-Szene. Zwar beschäftigt er sich, so wie auch in diesem Projekt, intensiv mit westeuropäischen Traditionen, fühlt sich jedoch ebenso zu osteuropäischen und orientalischen Klängen hingezogen. Und zum Jazz. Neu dabei ist Johanna Kugler, die neben ihrer anrührenden Stimme insbesondere ihre Geige und die Bratsche, wie auch von zahlreichen anderen Projekten gewohnt, souverän und inspiriert zum Einsatz bringt. Jodler, Schleuniger und Jig in einem Stück („Set For Hope“) zu verbinden, gelingt auf derart souveräne Weise wohl nur Wenigen. Dennoch liegt, das ist kein Widerspruch, in der Musik von Black Market Tune ein hohes Maß an Authentizität. Alle Kompositionen besitzen Substanz, klingen dynamisch.

Indisch-europäische Musikszene. Der Tiroler Klaus Falschlunger ist zweifellos einer der wichtigsten und aktivsten Vertreter der indisch-europäischen Musikszene. Sein neues Trio nennt sich Indian Air und „Rare Moments“ deren erstes Album. Neben der Sitar Klaus Falschlungers sind die Framedrums und die Perkussion von Tobias Steinberger, sowie der Kontrabass und die Bassukulele von Clemens Rofner zu hören. Sie kreieren einen Sound, der mit klassischer indischer Musik fast nichts zu tun hat. Es ist ein Jazz-World-Crossover-Projekt, allerdings der feinsten Sorte. Neben der Sitar kann sich der warme Klang des Kontrabasses und der Rahmentrommeln perfekt entfalten. Als Extrazuckerl ist auf zwei Nummern der Saxofonist Bob Mintzer zu hören.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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