Ernesto Cardenal: Im Herzen der Revolution

Von WeH
Übersetzt von Lutz Kliche. Hammer Verlag, Wuppertal 2004, 303 Seiten, EUR 25,-

Der dritte Band der Autobiographie des nicaraguanischen Dichters und Priesters knüpft nahtlos an den zweiten an („Die Jahre in Solentiname“) und beginnt mit den Aufstandswellen gegen die Somoza-Diktatur, angefangen mit dem - gescheiterten - Überfall auf San Carlos im Oktober 1977, an dem die Solentiname-Gemeinde maßgeblich beteiligt war.
Und Reisen, immer wieder Reisen. Der introvertierte Mystiker mit Baskenmütze, Baumwollhemd und weißem Bart wird von der Nationalen Leitung der FSLN auf diplomatische Offensive ins Ausland geschickt. Um finanzielle Unterstützung aufzutreiben und um ein Netz von Solidaritätsgruppen aufzubauen.
Begonnen hat Cardenals „Reise-Offensive“ 1978 in Deutschland, wo sein Verleger Hermann Schulz bereits eine Solidaritätsbewegung aufzubauen begonnen hatte. Dann jettet der zur Ikone der sandinistischen Revolution gewordene Priester ständig vor allem zwischen Amerika, Europa und der arabischen Welt hin und her, Reisen voller lustiger Episoden und ernsthafter Begegnungen, die er in seinen Erinnerungen schildert.
Erfreulich, dass Cardenal die Zeit des sandinistischen Jahrzehnts, der Machtausübung in den 1980er Jahren mit der damaligen Optik sieht und nicht im besserwisserischen Rückblick. Er zeigt wieder - und das tut wohl, denn beinahe haben wir es schon verdrängt –, dass diese sandinistische Revolution tatsächlich die humanste Revolution der Menschheitsgeschichte war, er erinnert uns daran, weshalb sich so viele Menschen auf der ganzen Welt so sehr solidarisierten mit diesem Projekt. Doch Cardenal idealisiert nicht, er zeigt auch die Fehler auf - und besonders die Irrwege nach der Abwahl im Februar 1990.
Den Ausweg aus der Sackgasse der verlorenen Revolution (Originaltitel: „La Revolución perdida“) sieht Cardenal in der Evolution. Diese lässt überall Menschen entstehen, „die eine Veränderung wollen und die erklären, dass eine andere Welt möglich sei“. Ernesto Cardenal hat mit seinem Leben gezeigt, dass er nicht mit verschränkten Armen auf die Ankunft dieses Himmelreiches wartet.
Band 1 und 2 der Erinnerungen sind ebenfalls im Hammer Verlag erschienen.

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