„Es braucht Zeit, einander wieder zu vertrauen“

Ein Gespräch mit Ismail Khamis Jalab, Kommandant der SPLA-Truppen in den Nuba-Bergen.

Von T. S.
Südwind: Wie ist die momentane Lage in den Nuba-Bergen?
Ismail Khamis Jalab:
Das Waffenstillstandsabkommen wurde geschlossen, um humanitäre Hilfe in der Region zuzulassen. Die Situation hier hat sich seither deutlich verbessert. Die Leute fühlen sich wieder sicher und erste Schritte zur gegenseitigen Vertrauensbildung wurden gesetzt.

Was sind die größten Probleme?
Die Regierung folgte dem Prinzip „teile und herrsche“ und spielte die verschiedenen Ethnien gegeneinander aus. Es braucht Zeit, einander wieder zu vertrauen. Ein weiteres Problem ist natürlich die Entwaffnung nach so vielen Jahren Krieg.

Gegenseitiges Vertrauen wird notwendig für einen zukünftigen Frieden. Wie wollen Sie dies erreichen?
Das wird nicht leicht. Natürlich gibt es Rachegelüste, diese haben wir aber unter Kontrolle. Kriegsverbrechen müssen jedoch geahndet werden. Möglich wären etwa Wahrheits- und Versöhnungs-Komitees zur Aufarbeitung des Krieges.

Was geschieht in diese Richtung?
Durch JMC ist es wieder möglich, die Grenzen zu überqueren, miteinander in Kontakt zu treten. Es gibt auch organisierte Treffen zwischen den ehemaligen Kriegsparteien.

Ein umfassendes Friedensabkommen zum Konflikt im Südsudan soll bald unterzeichnet werden. Welche Schwierigkeiten gilt es zu überwinden?
Am schwierigsten wird die tatsächliche Umsetzung des Friedens. Dieses Problem gehört aber gesamtsudanesisch betrachtet. Das Problem hier ist nicht der Kampf Nord gegen Süd oder Muslime gegen Christen. Vielmehr geht es um eine Politik, die an der Realität der zahlreichen ethnischen Unterschiede vorbeigeht. Seit der Unabhängigkeit leiden wir unter einer Arabisierung und Marginalisierung aller anderen Gruppen.

Wie bewerten Sie nach Ihrer nun beinahe dreijährigen Erfahrung die Rolle der JMC in den Nuba- Bergen und wäre dieses Modell auch auf andere Konfliktherde übertragbar?
JMC hat sehr gute Arbeit geleistet. Ein solcher Einsatz hängt aber von der Art des Konfliktes und den beteiligten Parteien ab. Vielleicht erfordern andere Voraussetzungen andere Vorgehensweisen.

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