„Es gibt viel zu tun“

Philipp Bück von der Entwicklungsorganisation Dreikönigsaktion (DKA) im Gespräch über die aktuelle Situation im Inselstaat Papua-Neuguinea (PNG).

Philipp Bück© Christina Schröder

Papua-Neuguinea liegt von Österreich aus gesehen am anderen Ende der Welt – welchen Stellenwert hat das Land für die österreichische Entwicklungszusammenarbeit bzw. Organisationen wie die DKA?

PNG ist kein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) und derzeit auch noch kein Schwerpunktland der DKA. Doch wir haben seit den 1980er Jahren Projekte dort, Horizont3000 schon seit 1963. Wir kooperieren und stehen im Austausch auch mit den zwei weiteren österreichischen Organisationen, die in PNG tätig sind, Licht für die Welt und Voluntaris. Für die DKA ist bedeutend, dass wir zu PNG langjährige Kontakte haben und uns auf gewachsene Strukturen verlassen können. Und es gibt viel zu tun, denn die Menschen stehen vor vielen Problemen – in wirtschaftlicher, politischer und sozialer Hinsicht.

Was sind die größten Herausforderungen in PNG?

Eine von vielen ist die Infrastruktur. Es gibt nur eine einzige großräumige Straßenverbindung und sonst kein Straßennetz. Personen und Waren müssen geflogen werden, das macht alles sehr teuer. Und das, wo 80 Prozent der Menschen am Land leben.

Wovon leben die Menschen?

Überwiegend von der kleinbäuerlichen Subsistenzwirtschaft. Auf dem Land wird Grund und Boden kollektiv von den lokalen Klans besessen. Die Regierung untergräbt das kollektive Landrecht jedoch und betreibt einen Ausverkauf des Landes an ausländische Investoren. Etwa zehn Prozent der Landfläche von PNG wurden seit 2003 im Rahmen von 74 sogenannten „Special Agricultural Business Leases“ illegal verpachtet. Diese müssten eigentlich mit Zustimmung der lokalen Bevölkerung abgeschlossen werden, aber Vereinbarungen wurden nicht eingehalten. Dem Premierminister werden viele korrupte Geschäfte vorgeworfen. Die politische Kultur öffnet natürlich Ausbeutung jeder Art Tür und Tor.

Wie ergeht es den Menschen, die in die Städte ziehen?

In der Hauptstadt Port Moresby, zum Beispiel, sind die Immobilienpreise extrem hoch: Eine Zweizimmerwohnung kostet so viel wie in Manhattan in New York. Leisten können sich das fast nur Geschäftsleute aus dem Ausland, die mit Bergbauprojekten viel Geld machen. Da das Bildungssystem sehr schlecht ist, haben nur wenige Menschen Zugang zu höherer Bildung. Am Land können nur die wenigsten lesen und schreiben. Rund um die Städte bilden sich Problemviertel mit starker ethischer Durchmischung, was auch zu sozialen Spannungen bis hin zu gewaltsamen ethnischen Konflikten führt.

Wie sind die Aussichten für die Zukunft?

Eher düster. Letztes Jahr hat die Regierung extrem viel Geld für die Pacific Games – die wichtigste Sportveranstaltung in der Region – ausgegeben. Gleichzeitig ist der Ölpreis – neben Kupfer und Gold ist Erdgas der wichtigste Devisenbringer – gefallen. PNG steckt in einer Devisenkrise, die die Regierung über Neuverschuldung zu lösen versucht. Von Regierungsseite gibt es kaum verlässliche Informationen. Gerüchten zufolge soll der Staat am Rande der Zahlungsunfähigkeit sein.

Wo sehen Sie positive Entwicklungen?

Das Land hat die Möglichkeit, viele Fehler nicht zu machen, die woanders beim Übergang von traditionellen zu modernen Gesellschaften geschehen sind. Und es gibt viele, ganz fantastische Menschen, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen. Diese Menschen unterstützen wir über unsere Partnerorganisationen.

Interview: Christina Schröder

Philipp Bück ist Projektreferent für Philippinen und Papua-Neuguinea bei der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (DKA). Ende April war er zuletzt bei den Partnerorganisationen vor Ort.

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