„Es wird wieder diskutiert“

Marijana Grandits, die Leiterin des Wiener Organisationsbüros der Aids-Konferenz, zieht Bilanz über die internationale Aids-Konferenz, die von 18. – 23. Juli in Wien stattfand. Mit ihr sprach Südwind Redakteurin Michaela Krimmer.

Bunt und kreativ: das Global Village der Aids- Konferenz. Die entwicklungspolitische Szene hat sich dort kaum getummelt.

Südwind Magazin: Welche Erfolge gab es auf der Konferenz?
Marijana Grandits:
Es gibt den Trend, HIV/Aids-Projekte nicht mehr direkt zu unterstützen, sondern sich mehr auf generelle Gesundheitsprogramme zu konzentrieren. Die Bill und Melinda Gates Stiftung und US-Programme führten diesen Trend an. Das ist vor allem für afrikanische Länder fatal. Es war wichtig, genau diese Leute zur Konferenz zu bringen, die davon betroffen waren, um zu zeigen, dass dieser Trend ein großer Fehler ist: Die Menschen sterben und wir hören auf, sie zu unterstützen.

Zu einem gewissen Grad gab es da Erfolge: Hillary Clinton und Bill Gates haben gesagt, dass die Hilfe effektiver werden muss. Das ist natürlich in nicht-westlichen Ländern schwierig, wenn die Behandlung unter sehr schwierigen Bedingungen vonstattengeht. Das Wichtige war, dass die Diskussion wieder auf der Tagesordnung war. Bill Gates konzentriert sich zwar in Zukunft vermehrt auf Mütter und Kinder, aber er wird auch HIV/Aids wieder in den Vordergrund rücken.

Gab es Fortschritte in Bezug auf den Global Fund?
Sehr positiv war die Anwesenheit des Vizepräsidenten von Südafrika. Er hat versprochen, die Mittel für den Global Fund zu erhöhen. Zum ersten Mal hat er öffentlich gesagt, dass gefährdete Gruppen nicht vernachlässigt werden dürfen – und er hat sie öffentlich beim Namen genannt: Drogenabhängige, Sexarbeiterinnen und -arbeiter, etc. Das ist sehr, sehr, positiv zu sehen.

Welche Rolle hat der Staat Österreich bei der Konferenz gespielt?
Österreich hat vieles versäumt. Die Konferenz hat aufgrund des Osteuropa-Schwerpunkts in Wien stattgefunden. Doch aus den betroffenen osteuropäischen Ländern, Russland und den zentralasiatischen Staaten war kaum jemand von staatlicher Ebene da. Die Konferenz hätte die Regierungen dieser Länder zu mehr politischer Verantwortung auffordern wollen. Österreich hätte innerhalb der Nachbarschaftspolitik dafür sorgen können, dass tatsächlich Ministerinnen und Minister dieser Länder kommen.

Was kann man von der wissenschaftlichen Ebene berichten?
Eine kleine, österreichische Firma arbeitet zusammen mit der Universität für Bodenkultur in Wien an der Entwicklung eines vaginalen Gels, das die Übertragung der Viren verhindern soll. Das wäre ein unglaublicher Fortschritt für Frauen.

Weiters arbeitet die Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi an der Eliminierung von Taschen. Taschen sind Orte im Körper, an denen bei antiretroviraler Behandlung die Viren vorhanden bleiben. Durch die Behandlung übertragen sich die Viren nicht mehr, doch diese viralen Taschen bilden sich im Körper. Deswegen ist es so wichtig, die Medikamente immer weiter zu nehmen, sie neu anzupassen, etc.

Wie hat sich die Zivilgesellschaft auf der Konferenz gezeigt?
Ich war enttäuscht von der entwicklungspolitischen Szene. Sie war vor allem nicht im Global Village präsent. Dort waren zwar KonferenzteilnehmerInnen, aber die entwicklungspolitische Szene hat sich dort nicht getummelt. Positiv war jedoch auf jeden Fall der Menschenrechtsmarsch, der war ein voller Erfolg.

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