Eva Horn, Stefan Kaufmann, Ulrich Bröckling (Hg.): Grenzverletzer

Von Christine Zeiner ·

Von Schmugglern, Spionen und anderen subversiven Gestalten.

Kulturverlag Kadmos, 2002 Berlin, 272 Seiten, € 17,50

Passend zum Thema des Buches war kürzlich in der Radiosendung „Heimat fremde Heimat“ der FPÖ-Landtagsabgeordnete Hans Christian Strache zu Gast: Die FPÖ stemmt sich gegen das Kommunalwahlrecht für Nicht-EU-BürgerInnen in Wien. Denn weshalb solle jemand, der dem österreichischen Staat ansonsten nicht „loyal“ gegenüber stehe, ihm „nicht diene“, dieses Recht erhalten?, meinte Strache, ohne diese vermeintliche Illoyalität weiter zu erläutern.
Nicht-EU-BürgerInnen befinden sich, obwohl „drinnen“ – auf dem Territorium des Staates – dennoch „draußen“ …
„Der Pass ist der edelste Teil des Menschen“, formulierte es Bert Brecht in den Flüchtlingsgesprächen. Ist ein Mensch ohne Pass weniger wert? Dieser Frage geht Eva Horn in ihrem Beitrag nach und schreibt: „Die absolute Recht- und Hilflosigkeit moderner Flüchtlinge ist es, die die Phantasmatik der Überschwemmung, Verseuchung, ‚Überfremdung‘ erzeugt und beflügelt.“
Die AutorInnen dieses Sammelbandes möchten laut Einleitung ihr Buch aber nicht als Geschichtensammlung verstanden wissen, die illegale Grenzgänger bloß als Opfer staatlicher Grenzpolitik beklagt. „Vielmehr versuchen die Beiträge, in einer Formulierung von Michel Foucault, den Widerstand als chemischen Katalysator zu gebrauchen, mit dessen Hilfe man die Machtverhältnisse ans Licht bringt, ihre Positionen ausmacht und ihre Ansatzpunkte und Verfahrensweisen herausbekommt.“ Mehr als einmal fallen bei der Lektüre die Absurditäten des heutigen Nationalstaatswesens auf.

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