Extreme

Von Irmgard Kirchner · · 2012/04

Die Erde bebte nur 35 Sekunden. Am 12. Jänner 2010 ereignete sich in Haiti eine der weltweit größten Naturkatastrophen. Wie schaut es zwei Jahre später in dem schon vor der Katastrophe bitter armen Land aus? Unsere Partnerzeitschrift New Internationalist, von der wir die folgenden Thema-Seiten übernommen haben, kommt zu einem ernüchternden Befund: Trotz großzügiger internationaler Hilfsaktionen und -zusagen ist der Mangel an schier allem, was ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, weiterhin enorm.

Der natürlichen Katastrophe von 35 Sekunden ist eine menschengemachte Katastrophe von 35 Jahren vorausgegangen. In einer Situation von chronischem Mangel an Unterkünften, sanitären Einrichtungen, an Gesundheitsversorgung und Bildung konnte es zu der extremen Zahl von 220.000 Todesopfern kommen.

In diesen vergangenen 35 Jahren wurden die grundlegendsten Probleme das Landes nicht gelöst und überdies fatale politische Entscheidungen getroffen: Die neoliberale Marktöffnung führte zur Zerstörung der Selbstversorgung. Das Land wurde zum größten Importeur von US-Nahrungsmitteln in der Karibik. Haiti sei ein Musterbeispiel, wie man Entwicklung torpediert anstatt sie zu fördern, wird ein leitender Oxfam-Mitarbeiter zitiert.

In Haitis jüngster Geschichte sind viele Fehler gemacht worden. Seitens der einheimischen Politik, aber auch von ausländischen Hilfsorganisationen. Schon vor dem Beben war Haiti éines der Länder mit der größten NGO-Dichte. Viele von ihnen arbeiten mittlerweile schon traditionell an den einheimischen politischen Strukturen und an der lokalen Bevölkerung vorbei. Sie haben Schwierigkeiten, die vielen Spendengelder überhaupt auszugeben. Unvorstellbar fahrlässig gehandelt hat die Stabilisierungsmission der UNO, die höchstwahrscheinlich mit ihren nepalesischen Soldaten die Cholera eingeschleppt hat.

Die einheimische Bevölkerung hingegen vertraut auf die eigene Kraft, sie organisiert und hilft sich selbst. Auch das hat eine lange Tradition. Die ehemaligen SklavInnen haben Armeen der damals drei mächtigsten Nationen der Erde (Großbritannien, Spanien und Frankreich) besiegt. 1804 wurde Haiti als erstes Land Lateinamerikas unabhängig.

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