Fairtrade-Öko-Wettbüro

Dort, wo vor kurzem meine Bankfiliale stand, hat jetzt ein Wettbüro eröffnet. Da werden Sie sagen: „Das ist ja gar kein großer Unterschied!“ Ist es aber doch. Denn meiner Beobachtung nach gehen die Leute aus der Bank auch gerne wieder raus. Oft auch sehr schnell.

Gut, Südwind-Leserinnen und Leser werden wahrscheinlich noch seltener in ein Wettbüro gehen als in eine Bank. Aber muss das so sein? Mein lieber Freund Max, Mister „Bio-Business“, wie ich ihn nenne, meinte vor kurzem: „Was fehlt, ist ein Fairtrade-Öko-Wettbüro.“ Und schon war er dabei, seine Geschäftsidee in einer kleinen Tagträumerei zu skizzieren:

„Das Wettlokal müsste ganz anders aussehen als die üblichen dunklen Spelunken: Keine neongrellen Reklamebeleuchtungen an den Eingängen, sondern Fackeln und Räucherstäbchen. Keine verrauchten Biertische, sondern Yogamatten und Entspannungsbereiche mit Fußreflexzonen-Massage. Statt Bier und Cola gibts Fairtrade-Orangensaft und Bio-Jogurt. An den Bildschirmen nur die Spielstände von fair ausgetragenen Fußballspielen. Daher: Hauptsächlich Frauenfußball mit dem Dalai Lama als Schiedsrichter! Autorennen von Solarautos statt Pferderennen! Man könnte auch glückliche Hühner gegeneinander laufen lassen, oder darauf wetten, wer schneller reif ist: Der steirische Bioapfel oder die Fairtrade-Banane!

Und natürlich könnte man auch auf Wahlergebnisse wetten – Wahlen sind doch demokratisch, daher nichts Böses! Außerdem machen wir so eine Art Lotterie: Jedes Los gewinnt: Einmal 20 Prozent, einmal 50 Prozent, es dürfen halt nie mehr als 100 Prozent vom Einsatz sein, sonst hätten wir wirklich einen Verlust!“ „Aber Max“, sagte ich, „das ist doch unredlich“. „Aber nein“, meinte er, „der Gewinn wird einem guten Zweck gewidmet“. „Und der wäre?“ „Die Unterstützung von engagierten Bio-Business-Menschen!“ „Ok, also von uns beiden, das klingt gut. Aber die Suchtgefahr ist doch ein ernstes Thema. Müssen wir uns da nicht etwas einfallen lassen?“

Und so entwickelte Max folgenden Test zum Thema Sucht: Stimmen Sie folgenden Aussagen zu? Schokolade ist ein Grundnahrungsmittel. 300 mal am Tag aufs Mobiltelefon schauen, ob es was Neues gibt, hält fit. Den Sinn des Lebens erkennt man erst nach dem ersten richtigen Rausch. Wer bei einer der drei Aussagen zustimmt, muss draußen bleiben. „Ok“, sagte ich, „das ist dann in Österreich nicht durchführbar“. „Na ja“, sagte er, „dann sollten wir doch über ein nachhaltiges Escort-Service nachdenken …“

Georg Bauernfeind ist Kabarettist und Publizist in Wien. Programm und Termine auf www.georg-bauernfeind.at

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