Fakten

Von Robert Poth ·

Wirtschaftliche Bedeutung von
Kleinwaffen

Volkswirtschaftlich war und ist die Produktion von Kleinwaffen generell weder ein wichtiger Devisenbringer noch Arbeitgeber. Auf einzelbetrieblicher Ebene aber sind Exporte oft überlebensnotwendig. Dies trifft vor allem in Ländern des ehemaligen Ostblocks zu.
Insbesondere in Bulgarien war die Infanteriewaffenproduktion des Warschauer Pakts konzentriert; das Land gilt daher nicht zufällig als eine der Hauptquellen illegaler Kleinwaffen für afrikanische Konflikte.

Umsätze
Im Vergleich zum Wert der Militärausgaben weltweit, die derzeit bei etwa 800 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen, fallen Kleinwaffen nicht ins Gewicht. Allerdings existieren nur sehr grobe Angaben. So wird der jährliche Umsatz bei illegalen Kleinwaffentransfers auf zwei bis zehn Milliarden US-Dollar und das offizielle Marktvolumen auf fünf bis zehn Milliarden US-Dollar geschätzt.

Herkunft „illegaler“ Kleinwaffen

„Illegal“ werden Kleinwaffen auf mehrere Arten. Im Kalten Krieg in Entwicklungsländer gelieferte Waffen werden teilweise über Kontinente hinweg einer Wiederverwendung zugeführt. Wesentliche Mengen stammen aus regulären Beständen von Sicherheitskräften, durch Plünderungen wie in Albanien, durch Diebstahl und Verkauf auf eigene Rechnung, aber auch aus der Erbeutung in bewaffneten Konflikten.
Neuproduktion oder Überschussbestände werden u. a. über falsche oder gegen Bestechung ausgestellte Endabnehmerzertifikate in Konfliktgebiete verbracht; national etwa wegen Menschenrechtsverletzungen untersagte Exporte werden über lizenzierte Hersteller im Ausland abgewickelt. Außerdem finden nach wie vor offizielle oder verdeckte Lieferungen an nicht-staatliche Konfliktparteien statt. Als „illegal“ kann schließlich auch jede Waffe betrachtet werden, wenn sie in Verletzung des humanitären Völkerrechts oder der Menschenrechte eingesetzt wird.

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