Fidel Castro. Mein Leben

Ignacio Ramonet

Von Robert Lessmann
Biographie. Aus dem Span. von Barbara Köhler. Rotbuch Verlag, Berlin 2008, 784 Seiten, € 29,90

Memoiren hat Castro nie geschrieben und wird es wohl auch nicht mehr tun. So sind Ignacio Ramonets autobiographische Interviews mit Fidel Castro ein Ersatz dafür, politisches Vermächtnis und von ihm selbst gezogene Bilanz seines Lebens. Der Autor, bis zum vergangenen Jahr 17 Jahre lang Chefredakteur von „Le Monde Diplomatique“ und selbst ein publizistisches wie politisches Schwergewicht, ist hier nicht in erster Linie kritischer Frager, sondern Stichwortgeber für den Revolutionsführer. Nur ganz selten kommt es zu einem kritischen Ping-Pong. Castros Neigung, weit auszuholen bei seinen Ausführungen, führt hin und wieder zu Langatmigkeit.

Castro spricht über die Unterstützung von Befreiungsbewegungen, v.a. in Afrika, über die Söldnerinvasion in der Schweinbucht (1961) und die Raketenkrise, die die Welt 1962 an den Rand eines Dritten Weltkriegs brachte, über Kennedy und Chruschtschow. Er spricht aber auch – und das sehr offen – über zeitgenössische Politiker wie Felípe Gonzalez, Tony Blair und José Aznar. Als politische Führer, die ihn am meisten beeindruckt hatten, nennt er seinen Weggefährten Che Guevara (über den er auch sonst viel spricht), Nelson Mandela, Jian Zemin und aus der so genannten westlichen Welt Willy Brandt und Olof Palme.

Es ist Ramonet ein Anliegen, auch zeitgenössische Themen anzuschneiden. Von neuen, indigenistisch inspirierten Strömungen in Lateinamerika ist die Rede, von Subcomandante Marcos, von den Indígena-Bewegungen in Ecuador und Bolivien. Spannend wie ein Krimi wird es, wo Castro den gescheiterten Putsch gegen Hugo Chávez vom April 2002 aus seiner Sicht beschreibt. Und natürlich wird Fidel Castro nicht müde, die Erfolge der kubanischen Revolution hervorzuheben. Nur am Rande hingegen werden die wirtschaftlichen Probleme und die noch immer miserable Versorgungslage Kubas angesprochen.

Hier erzählt eine der herausragenden Figuren der Weltpolitik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über sein Leben, die kubanische Revolution und eben diesen Zeitabschnitt. Insofern ist das Buch natürlich auch ein (subjektives) Geschichtsbuch. Exzellent ausgearbeitete Fußnoten und eine 35-seitige Zeittafel sind eine Fundgrube für Hintergrundinformationen zu angesprochenen Personen und historischen Ereignissen.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen