Fischerei- Die Fakten

Von Redaktion · · 2000/09

Der Mensch jagt immer noch Wildtiere als Nahrungsquelle – wir fangen und verzehren jährlich Milliarden von Fischen und anderen nutzbaren Wassertieren. Fisch wurde von Urzeiten an mit Nahrung gleichgesetzt. Für über eine Milliarde Menschen in der Dritten Welt stellt Fisch heute ihre tägliche Hauptproteinquelle dar.

Dinner für Zwei – Durchschnittlicher Pro-Kopf-Jahres-Konsum an Fisch

In den Industrieländern der westlichen Welt wird dreimal so viel Fisch verzehrt wie in den Entwicklungsländern der Dritten Welt.

Entwicklungsländer: 9,2 Kilo

Industrieländer: 27 Kilo

Die Fischer

Noch nie hat es so viele Fischer gegeben wie heute – die Anzahl aller im Fischereiwesen und in der Aquakultur Beschäftigten hat sich seit 1970 verdoppelt. Zu den mehr als 21 Millionen Vollerwerbsfischern kommen ca. 200 Millionen Menschen, die direkt oder indirekt vom Fischfang leben. Der überwiegende Großteil von ihnen lebt in Asien – seit den achtziger Jahren Zentrum der weltweiten Fischereiindustrie.

(United Nations Food and Agriculture Organization)

Gefährliche Arbeitsbedingungen

In der Fischerei, der Fischzucht und der Verarbeitung kommen jährlich 24.000 Menschen ums Leben.

* In den USA ist die Todesrate im Fischereigewerbe 16-mal höher als bei der Brandbekämpfung oder im Polizeidienst und liegt um das 40fache höher als der Landesdurchschnitt.

* In Guinea leben etwa 7.000 bäuerliche Kleinfischer, jeder 200ste von ihnen ertrinkt bei einem Bootsunfall.

(International Labour Organization)

Die Regierungen

Für die Fischereibranche spielen die nationalen Regierungen eine Schlüsselrolle. Mit fetten Ausgleichszahlungen und Subventionen für die mächtigen Fangflotten rüsten sie ein ansonsten nicht profitables, ausbeuterisches Gewerbe ständig weiter auf.

Schwimmende Fischfabriken – die Finanzierung der Fangflotten

* Das weltweite Fischereigewerbe produziert mit einem Jahreskostenaufwand von 124 Milliarden Dollar marktfähigen Fisch im Wert von 70 Milliarden Dollar – die Differenz (54 Milliarden Dollar) wird durch Förderungen ausgeglichen.

* Für jeden einzelnen im Fischfang verdienten US-Dollar musste in den späten achtziger Jahren vom Fischereigewerbe, den Steuerzahlern und aus öffentlichen Fördergeldern 1,77 Dollar investiert werden.

* Von den insgesamt 3,5 Millionen Fangschiffen werden 35.000 staatlich gefördert; diese fangen die Hälfte der weltweiten Jahresmenge.

(Worldwatch Institute)

Die Fische

International führende Meeresbiologen stellten erst kürzlich bei einer Konferenz der amerikanischen Akademie der Wissenschaften fest, dass Überfischung und nicht Klimaerwärmung oder Wasserverschmutzung die größte Bedrohung für die Artenvielfalt in den Weltmeeren bedeutet.

(Carl Safina: Song for a Blue Ocean, Harry Holt, 1999)

Fisch gilt bei vielen Menschen immer noch als erneuerbare und unerschöpfliche Ressource. Doch die aktuellen Zahlen beschreiben eine akute, immer enger werdende Situation: Zwischen 1950 und 1990 hat sich die weltweite Jahresfangmenge verfünffacht. Die Nachfrage ist weiterhin hoch, aber selbst bei stagnierendem Verbrauch werden 2010 voraussichtlich 15,5 Millionen Tonnen Fisch zusätzlich benötigt, um den Weltbedarf zu decken.

(United Nations Food and Agriculture Organization)

Mit der Technik ausgetrickst – die modernen Fangmethoden

Die Technologien und die Fangzahl pro Fischer unterscheiden sich enorm, für die Umwelt sind die modernen Fangflotten eindeutig am schädlichsten.

* Zur Ausrüstung der heutigen High-Tech-Flotten gehören Flugzeuge, Funksysteme, sonare Videoüberwachung sowie genaue geographische Daten über die Beschaffenheit des Meeresbodens, mit deren Hilfe die Fischschwärme ausgemacht werden. Nach der Sichtung werden gigantischen Netze gespannt, in denen auch Korallen und andere Meeresflora mitgerissen sowie jährlich ca. 27 Millionen Tonnen Beifang getötet und anschließend wieder von Bord gekippt werden.

(Carl Safina: Song for a Blue Ocean, Harry Holt, 1999)

* 1995 betrug die Fangquote der 301.000 japanischen Fischer 6,7 Millionen Tonnen Fisch, während im gleichen Zeitraum in Indien von den knapp 6 Millionen Kleinfischern 5 Millionen Tonnen Fisch gefangen wurde.

(Worldwatch Institute)

Gezüchtet und gefangen

Um den drastischen Rückgang der Fangquoten zu kompensieren, hat der Anteil der Aquakultur in den letzten Jahren stetig zugenommen. Knapp ein Drittel des Fischangebots stammt bereits aus Zuchtfarmen. Auf fünf Kilo Rindfleisch aus landwirtschaftlicher Produktion kommen zwei Kilo Fisch aus der Aquakultur.

(Worldwatch Institute)

Die Umweltverträglichkeit der Fischzucht ist ähnlich katastrophal wie das Abholzen der Regenwälder für Rinderfarmen (Worldwatch Institute):

* Für ein Kilo Zuchtfisch werden fünf Kilo Kleinfisch zur Fütterung benötigt.

* In Thailand, einem der weltweit größten Aquakulturbetreiber, wurde durch die Garnelenzucht bereits die Hälfte der Mangrovenwälder zerstört.

* Der aus der intensiv betriebenen Lachszucht in British Columbia (Kanada) anfallende Müll (u.a. Düngemittel, Abwässer und Fischmehl) entspricht dem Abfallaufkommen von einer halben Million Menschen.

Ausgefischt – der Zustand der Fischbestände

70 Prozent der weltweiten Fischbestände werden voll abgefischt oder überfischt.

44 % voll abgefischt (bis zum maximalen Maß) 31 % in einem verträglichen Maß oder darunter 16 % überfischt (Bestände gefährdet) 6 % Bestand erschöpft (Fangquoten rückläufig) 3 % langsame Regeneration (von Überfischung)

(United Nations Food and Agriculture Organization)

Die Unternehmen

Einige der profitabelsten internationalen Konzerne sind nichts anderes als ganz normale Fischhändler. Obwohl diese Unternehmen eine breite Warenpalette herstellen, stellen die Gewinne aus dem Verkauf von Fisch an die zwei Länder mit dem größten Verbrauch – Japan und die USA – die Basis für ihren wirtschaftlichen Erfolg dar.

Die größten Fischverkäufer – gewerbliche Produktion und Handel mit Fischereierzeugnissen

Unternehmen – Weltrangliste der 500 reichsten Konzerne – Gewinn (in Millionen US-Dollar) –

Aktivitäten in der Fischwirtschaft

Mitsui 5 109.372 Fischlieferant an Japan

Mitsubishi 7 107.184 Fischlieferant an Japan

Marubeni 12 44.908 Fischlieferant an Japan

Heinz 478 9.209 Größter westlicher Hersteller von Fischprodukten. Markennamen wie Star-Kist, John West, Petit Navire, Greenseas.

(Fortune online: www.fortune.com)

Die Nationen

In den frühen fünfziger Jahren hatten die Industrieländer 80 Prozent

Anteil an den gefangenen Fische. Seither haben sich die Entwicklungsländer bemüht, ihre nationalen Fischereigrenzen in Richtung Hochsee auszudehnen und selbst in das Exportgeschäft mit dem Fisch einzusteigen. Heute fangen sie 64 Prozent des weltweiten Ertrags. (Worldwatch Institute)

Ins Netz gegangen – die zehn größten fischexportierenden Nationen

1 Thailand 2 Norwegen 3 USA 4 China 5 Dänemark 6 Kanada 7 Taiwan 8 Russland 9 Indonesien 10 Südkorea

(Encyclopedia Britannica online: www.britannica.com)

copyright New Internationalist

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