Frauen im Museum

Die Leistungen der Frauen im gesellschaftlichen Leben Senegals sichtbar zu machen ist das Ziel des ersten afrikanischen Frauenmuseums auf der Insel Gorée. Die Leiterin, Adama Cissé Wélé und ihre Mitarbeiterin Fatou Mbengue besuchten kürzlich Österreich.

Von Veronika Knapp
Warum macht ihr nicht gleich ein Museum?, fragte der Sohn unserer Museumsdirektorin, Annette Mbaye d’Erneville. „Um drei Uhr Früh waren wir immer noch dabei, Ausstellungsgegenstände zu beschriften - für unsere jährliche Ausstellung über senegalesische Frauen.“ Aber erst zehn Jahre später in der Pension, erinnert sich Adama Cissé Wélé, hatten die Frauen die Zeit, ein Museum zu gründen.
1994 wurde das Frauenmuseum „Henriette Bathily“ auf der geschichtsträchtigen Insel Gorée eröffnet. Die senegalesische Regierung hatte ein Gebäude bereitgestellt. Seither werden dort neben der permanenten Ausstellung verschiedene Sonderausstellungen gezeigt, etwa zum Thema Frausein in Mali, zur nationalen Symbolik oder zur Situation der Landfrauen.
Neben dem Ausstellungsbetrieb sieht das Museum aber seine Hauptaufgabe darin, zur Verbesserung der Situation der senegalesischen Frauen durch verschiedene Bildungsmaßnahmen beizutragen. So wurden Fortbildungen für Straßenhändlerinnen und Handwerkerinnen veranstaltet, um neue Produktionsmethoden und Vertriebsstrategien zu vermitteln. Behinderten Mädchen wurde durch ein Kooperationsprojekt mit dem Frauenmuseum Meran/Italien eine handwerkliche Ausbildung angeboten. „Wir verstehen das Museum als lebendigen Ort der Fortbildung und Förderung von Frauen“, meint Mbengue.

Der senegalesischen Frauenbewegung sei es letztendlich zu verdanken, dass die Gründung eines eigenen Frauenmuseums überhaupt denkbar geworden sei. Insbesondere der FAFS (Féderation des associations féminines du Senegal), dem Dachverband der senegalesischen Frauenorganisationen kommt dabei besondere Bedeutung zu. Als der Verband 1977 gegründet wurde, waren 13 Frauengruppen darin zusammengeschlossen. Heute sind es mehr als 400. Ab den 80er Jahren entstanden neben den klassischen Frauenorganisationen Produktionsgruppen und Genossenschaften von Landfrauen. „In diesen Organisationen finden Frauen aus der Landwirtschaft, die häufig Analphabetinnen sind und bisher über keine öffentliche Vertretung verfügten, ein wichtiges Sprachrohr“, meint Wélé.
Die österreichische Debatte vom Zusammenhang zwischen Nachwuchs und Partys, ausgelöst von Ministerin Gehrer, fasziniert Wélé: „Diese Diskussion ist aus afrikanischer Sicht natürlich sehr eigenartig. In Gesprächen mit Österreicherinnen konnten wir immer wieder erfahren, wie schwierig es in Europa für Frauen ist, Mutterschaft und Beruf unter einen Hut zu bringen. Auch im Senegal ist das nicht einfach. Wir haben aber den Eindruck, dass Frauen bei uns sich stärker organisieren, um gemeinsam Lösungen zu suchen.“

Die Autorin ist Erziehungswissenschafterin und Leiterin der ?Südwind Agentur?-Regionalstelle in Innsbruck.

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