Werner Leiss hört sich um

Frauen-Power

Nordische Weltmusik und Mariachi-Klänge aus Los Angeles üben Strahlkraft aus.

Zu Unrecht wird nordische Musik hierzulande weitgehend ignoriert. Dabei erscheinen dazu laufend formidable außergewöhnliche Alben. Ein solches ist auch „Sånger från Norr II“ von Lisa Lestander, die insbesondere durch ihr Mitwirken am weiblichen Vokalquartett Kraja bekannt geworden ist.

Sie studierte traditionellen schwedischen Gesang in Falun und Stockholm. Dort waren jedoch keine Lieder der nördlichen Provinzen Schwedens dokumentiert. Ihre Recherche in den Musikarchiven dieser Regionen hat vier Jahre nach „Sånger från Norr I“ (2014) nun eine zweite Auswahl hervorgebracht.

Lisa Lestander singt und spielt Flügelhorn. An ihrer Seite wirken Multiinstrumentalist Mats Öberg (Synthesizer, Harmonika) und Jonas Knutsson (Saxophon), einer der wichtigsten Folk-, Jazz- und Improvisationsmusiker Schwedens. Alle drei stammen aus der historischen schwedischen Provinz Västerbotten, die im südlichen Teil Lapplands liegt.

Gemeinsam ist ihnen das Interesse an traditionellen, fast vergessenen Klängen. Eine zeitlos schöne Sammlung kaum bekannter schwedischer Folksongs, die auch schon einmal Improvisationspassagen vertragen.

Musik für Tagundnachtgleichen. Zwei der bekanntesten Volksmusikerinnen Norwegens haben für ihr Album „Tidekverv“ vokale und instrumentale Werke für die Tagundnachtgleichen und die beiden Sonnenwenden komponiert. Berit Opheim hat in den letzten Jahren als Mitglied des Trio Mediæval und als Solistin Erfolge gefeiert. Benedicte Maurseth begann im Alter von acht Jahren die Hardanger Geige zu spielen und spezialisierte sich auf traditionelle Musik.

Die Arbeit an Tidekverv wurde vom mittelalterlichen und visionären Gedicht „Draumkvedet“ (Das Traumgedicht) inspiriert. Ihre Musik ist in traditionellem Stil, in den Tonarten und der Form der Volksmusik komponiert, gleichzeitig finden sich darin aber auch Elemente der barocken, zeitgenössischen und improvisatorischen Musik.

Vorbild für Mariachi-Musikerinnen. Eher auf der Sonnenseite befindet sich eine spezielle, ganz besondere Mariachi-Formation, Reyna de Los Angeles®. Bereits 1994 gegründet und auch international längst etabliert, besteht sie ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern. Damit hat das Ensemble einen nicht geringen Einfluss und dient als Vorbild für aktive Musikerinnen in der früher fast ausschließlich von Männern dominierten Szene.

Auch ihr jüngstes Album, das selbstbetitelte „Mariachi Reyna de Los Angeles“ darf wieder als gelungen bezeichnet werden. Mit neuen Arrangements aus dem umfangreichen Mariachi-Repertoire schaffen sie mit ihrem Gesang, Violinen, Gitarren und Trompeten ihren eigenen, unverwechselbaren Klang.

Ein Album aus der Folkways Tradiciones/Traditions-Serie mit einem umfangreichen Booklet in Englisch und Spanisch.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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