Frauen tragen den Himmel

Eine Reihe von acht Videos unterstützt die weltweite Menschenrechtserziehung. Im April wurden die Filme in Wien vorgestellt.

Von Simone Holzer
In Sansibar wird auf der Straße eine bewußtlose Frau gefunden. Im Krankenhaus lautet die Diagnose AIDS. Ihr Zuhälter bringt sie daraufhin sofort in Begleitung ihrer Kolleginnen in ihr Dorf zurück, da er sich beim Kauf des Mädchens verpflichtet hatte, sie wieder lebend zu ihrer Familie zu bringen. Noch im Dorf verhandelt der Zuhälter mit einem anderen Mann, um eine Ersatzfrau zu bekommen. Auf der Rückreise sprechen die Frauen im Bus über ihre verletzten Rechte, über die tagtäglich erlebte Diskriminierung und Ausbeutung.

In acht Kurzfilmen wie diesem werden wahre Geschichten aus dem Alltag gezeigt. AkteurInnen sind LaiendarstellerInnen, deren Filmrollen sich mit ihren Lebensrollen überschneiden.

Die Reihe mit dem Titel "Women hold up the sky" behandelt verschiedene Artikel der "Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau" (englisch CEDAW - Convention for the Elimination of all Forms of Discrimination against Women): Es geht um das Recht auf Teilnahme am politischen Leben, um Rechte in Bezug auf Eheschließung, die Hürden bei der Veränderung von kulturellen Stereotypen, die Beschneidung als Akt der Gewalt gegen Frauen, das Recht auf Information, um Erziehung und Bildung.

Die Videos und das begleitende Trainingshandbuch sollen die einzelnen Artikel der Frauenrechtskonvention bekannt machen. Ziel ist die Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen.

Der namensgebende Film "Women hold up the sky" erzählt die Geschichte einer afroamerikanischen Großmutter, die in New York für ihre Enkelin sorgt. Da sie keine Arbeit findet und sich keine Wohnung leisten kann, wird ihr die Enkelin vom Sozialamt entrissen. Diese Geschichte thematisiert Artikel 1 der Konvention: die Diskriminierung von Frauen und Mädchen. Außerdem spricht der Film die Verantwortung des Staates in diesem Zusammenhang an (Artikel 2 und 3).

Das Video "Feuerkodex" kritisiert die Praxis des Verbrennens von hinterbliebenen Ehefrauen. Die ist in Südostasien noch gegenwärtig. Dieser Film spricht die Gleichstellung von Mann und Frau sowie ihre gleiche Rechtsfähigkeit an.

"Yaliyo" erzählt von der Diskriminierung der Frauen in Eheangelegenheiten und zeigt soziokulturelle Muster, die auf der Idee der Minderwertigkeit der Frau basieren.

Die Idee zu dieser Trainingsreihe hat PDHRE (The People`s Decade of Human Rights Education) entwickelt. Diese NRO, die sich der Menschenrechtserziehung widmet, ist auch die Produzentin der Filme.

"Es ist sehr schwer eine neue Kultur durchzusetzen", erklärt Ivanka Corti, die ehemalige Vorsitzende des Komittes zu CEDAW. "Die stereotypen Rollen der Frau in der Gesellschaft werden nur langsam aufgegeben. Dieser Prozeß kann nicht per Gesetz dekreditiert werden, es handelt sich vielmehr um einen Kulturwandelprozeß, der nicht plötzlich einsetzt. Die Gesellschaft kann ihre Einstellungen nur ändern, wenn sich Gruppen aktiv engagieren."

Die Filme kommen zur rechten Zeit: 1999 feiert die Frauenrechtskonvention CEDAW ihr zwanzigjähriges Jubiläum: Am 18. Dezember 1979 wurde die Existenz von Frauenrechten erstmals von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als solche anerkannt.

Erst seit der Menschenrechtskonferenz der Vereinten Nationen von 1993 gelten die Rechte der Frauen und Kinder als von den Universalen Menschenrechten unteilbar und zusammengehörend. Damals wurde es möglich, daß im privaten Raum vollzogene Gewalthandlungen Verantwortung vor dem Staat nach sich ziehen können. Das im April 1999 ausgehandelte Zusatzprotokoll mit der Möglichkeit der individuellen Einklagbarkeit von Frauenrechtsverletzungen festigt diese Tendenz.

"Wir kommen nicht als Fremde in ein Land und beginnen, die Bevölkerung zu unterrichten", erklärt Ivanka Corti. "Was uns wichtig erscheint, ist die Stärkung lokaler Organisationen, die sich für soziale Gerechtigkeit engagieren. Die Kleingruppen unterrichten sich dabei selbst - durch ihre eigenen Geschichten. Unsere Filme sind oft nur ein Diskussionsgrund, der dann aber eine große Bewegung auslösen kann. Das einzige, was die Expertinnen dabei tun, ist, daß sie erklären, welche Menschenrechtsverletzungen durch welchen Artikel in der Frauenrechtskonvention angeklagt werden können."

Deshalb sollen in Zukunft TrainerInnen-Seminare abgehalten werden und die Videos zum Verleih bereitstehen.

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