Fünf Jahre Kolonie

Von Irmgard Kirchner ·

Im 18. Jahrhundert unternahm Österreich schüchterne Versuche einer Kolonialpolitik im indischen Ozean.

Im Hafen hieß das Schiff, das im März 1776 Liverpool verließ, noch „Earl of Lincoln“. Auf offener See wurde dann die österreichische Flagge gehißt und das Schiff in „Joseph und Theresia“ umgetauft.

Der Niederländer William Bolts hatte sein Ziel erreicht: Es war ihm gelungen, den Hof in Wien für sein Kolonialabentauer in Ostasien zu gewinnen. Direkten Handel solle man beginnen und Quecksilber, Kupfer, Eisen, Stoffe und Glaswaren aus der Donaumonarchie gegen Tee, Gewürze, Reis, Salpeter, Farbhölzer, Porzellan und Mussseline-Stoffe eintauschen.

Ein Jahr zuvor war die „Österreichisch-Ostindische Handelskompanie“ gegründet worden. Nach dem siebenjährigen Krieg und dem Verlust Schlesiens konzentrierte sich die Donaumonarchie auf süd- und osteuropäische sowie überseeische Absatzgebiete.

Bolts, kurzerhand in den Rang eines österreichischen Offiziers erhoben, landete im April 1778 mit der „Joseph und Theresia“ auf den Nikobaren an. Der Archipel erschien wegen seiner günstigen strategischen Lage und einem natürlichen Hafen zur Anlage einer Faktorei besonders geeignet. Vier „Häutplinge“ der Nikobaren unterzeichneten mit Fingerabdruck einen „Zessionsvertrag“: Österreich nahm die Inseln in Besitz und ernannte Gottfried Stahl zum österreichischen Residenten. Mit fünf Soldaten, einem Berg Lebensmitteln und den notwendigsten Gebrauchsgütern blieb er auf den Nikobaren zurück. Zwei Jahre später starb Kaiserin Maria Theresia. In Wien schwand das Interesse an der fernen Kolonie. Mit dem Tod des Residenten Stahl im Jahre 1783 endete die österreichische Niederlassung, die Ostindische Handelsgsellschaft wurde 1785 liquidiert.

Im 19. Jahrhundert unternahm Österreich zwei Forschungsreisen zu den Nikobaren. Dabei tauchte der Gedanke einer österreichischen Kolonie immer wieder auf. 1869 nahm England die Inselgruppe in Besitz.

Franziska Kasper: „Nikobaren – Inselgruppe im Indischen Ozean: Österreichische Expeditionen im 18. und 19. Jahrhundert“, Ausstellungskatalog, Museum für Völkerkunde, Wien 1987.

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print oder Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr
  • 48 Seiten pro Ausgabe
  • je Ausgabe ein 12-seitiger Themenschwerpunkt
  • 12x Extrablatt direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • Buch & Filmempfehlungen aus der Redaktion
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
168 /Jahr
Abo Abschließen