Mildtätigkeit: Für die Ehre?

Geld gibt es für Freiwilligenengagement keines. Was sind die Motive?

Von Elke Rajal

Das Jahr 2011 wurde von der Europäischen Kommission zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeiten“ erklärt. Zuvor hatte das Europäische Parlament Freiwilligentätigkeit als „Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt“ anerkannt. Ähnlich wurde im österreichischen Spendenbericht 2009 festgehalten: „Zeit durch Freiwilligenarbeit zu spenden ist der wertvollste Beitrag zivilgesellschaftlichen Engagements.“1 Freiwilligenarbeit ist nicht immer mildtätig, jedoch immer gemeinnützig. Rund 43,8% der über 15-jährigen ÖsterreicherInnen (57% davon sind Männer, 43% Frauen) engagieren sich, eingebunden in Organisationen oder informell in der Freiwilligenarbeit.2

Drei Menschen, die sich in unterschiedlichen Lebenssituationen befinden und sich in verschiedenen Bereichen engagieren, berichten über ihre Beweggründe.

Franziska: „Ich wollte das einfach immer schon machen.“
Die 20-Jährige hat mit Jugend eine Welt unter dem Motto „Dein Jahr für Eine Welt“ ein Volontariat in Lilongwe (Malawi) absolviert. Dort hat sie unterrichtet, war in einer Stipendienorganisation tätig und hat im Jugendzentrum mitgeholfen. Seit ihrer Rückkehr vergangenen Herbst studiert sie Afrikawissenschaften an der Uni Wien und engagiert sich ehrenamtlich in einem Jugendzentrum der Salesianer.

„Ich habe mich dafür schon immer interessiert – Sprachen, andere Kulturen, mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten – und wollte einen kleinen Stein setzen. Ich sehe mich nicht als Weltverbesserin. Das ist auch gar nicht möglich in einem einjährigen Einsatz. Aber was man schon machen kann, ist, etwas bewegen, einen kleinen Schubs geben vielleicht. Und ich finde, man ist immer Volontär, sein ganzes Leben lang, wenn man sich einfach gerne für andere einsetzt und wenn man erkannt hat, dass nicht immer alles von Bezahlung abhängt, dass man dabei ganz viel lernen kann. Hauptsache ist, man tut etwas, packt es an, bleibt dabei. Das hat mir der Einsatz gezeigt.“

Sonja: „Ich könnte meine Zeit schon auch anders füllen. Es ist halt einfach so passiert.“
2006 hat die heute 27-Jährige gemeinsam mit drei KollegInnen in einer Lehrveranstaltung innerhalb des Sozialarbeitsstudiums das Projekt KAMA initiiert. Der Verein organisiert Kurse, die von AsylwerberInnen, MigrantInnen und Asylberechtigten geleitet werden und gegen eine freie Spende von der breiten Öffentlichkeit besucht werden können. Zuvor hatte Sonja bei Ute Bock mitgearbeitet und festgestellt, dass dort nur die Basisversorgung geklärt werden kann, viele AsylwerberInnen sich aber nach sinnvoller Freizeitbetätigung sehnen.

Mittlerweile ist sie die einzige noch im Verein aktive GründerIn. Ihre Kollegin, eine alleinerziehende Mutter, musste aus Geld- und Zeitgründen aussteigen. Sonja kann sich ihre 30-Stunden-Arbeit als Sozialpädagogin bei der Stadt Wien gut einteilen.

„Ich finde es gut, dass ich diese beiden Pole habe: Ich mag meinen Job gern und mir taugt KAMA. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich niemals genug Geld lukrieren werde, um mir einen eigenen Posten zu schaffen. Es wäre mir lieber, wenn KAMA etwas wäre, was ich bezahlt bekomme, aber so bleibt mir überhaupt nichts anderes übrig, als es ehrenamtlich zu machen und so lange es mir Spaß macht, mach ich es. Und so bin ich wenigstens auch frei mit meinen Ideen.“

Inge: „Ich bin ein Hansdampf in allen Gassen.“
Die pensionierte Buchhalterin hat sich schon immer für Umwelt und Tiere eingesetzt.
„Zu einer Demo konnte ich aber nicht gehen, als ich noch berufstätig war, wegen der Arbeitszeiten und wegen dem Chef.“

Begonnen hat sie ihr Engagement vor rund 20 Jahren mit einer Unterschriftensammlung für Greenpeace und einem Protest gegen das Einsperren von Singvögeln, gemeinsam mit Vier Pfoten. Heute ist sie noch immer bei Vier Pfoten, aber auch bei Global 2000, SOS Klima, der Plattform Atomkraftwerkfrei und anderen Initiativen aktiv.

„Dass man Gleichgesinnte hat, das ist das Schöne für mich. Und junge Leute, die einen Idealismus haben. Ich genieße mein Leben, muss ich sagen.“

Elke Rajal ist Politikwissenschaftlerin mit Erfahrungen in ehrenamtlichem Engagement im Sozial- und Bildungsbereich in Österreich, Costa Rica und Schweden und lebt derzeit in Wien.

1) Spendenbericht (2009): www.spenden.at/markt.htm
2) Vgl. Freiwilligenbericht (2009): https://broschuerenservice.bmask.gv.at/PubAttachments/Freiwilligenbericht.pdf

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