„Für kleinbäuerliche Strukturen ist kein Platz“

Von Redaktion · · 2017/02

Irmgard Ehrenberger vom Internationalen Versöhnungsbund erläutert im Interview, wieso die weitere Entwicklung Kolumbiens eng mit dem Thema Landrecht zusammenhängt.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in Kolumbien ein?

Das Abkommen zwischen FARC-Guerilla und Regierung ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Frieden. Jetzt wird es darauf ankommen, ob die Menschenrechte vor allem gegenüber der ländlichen Bevölkerung auch eingehalten werden. Wir sind etwa in der Friedensgemeinde San José de Apartadó präsent. Unsere Kontakte vor Ort berichten, dass sie nach wie vor Angriffen von verschiedenen Seiten ausgesetzt sind. Es werden Menschen bedroht, große Landwirtschafts- bzw. Bergbau-Projekte nehmen ihnen Lebensraum.

Zudem stellt sich die Frage, wie die kolumbianische Regierung in Zukunft mit den neo-paramilitärischen Gruppen umgehen wird. Diese Gruppen ermorden bis heute immer wieder Menschenrechtler.

Um was geht es dabei?

Wiederum um Kontrolle über Land. Neo-paramilitärische Gruppen rauben der Bevölkerung Territorium, das sie an Großgrundbesitzer und Firmen weitergeben. Die Regierung sieht den Bergbau als wirtschaftliche Zukunft des Landes. Dass damit die Umwelt verschmutzt wird und Menschen umgesiedelt werden müssen, nimmt die Politik in Kauf. Die Großgrundbesitzer kontrollieren den größten Teil des fruchtbaren Landes in Kolumbien. Für kleinbäuerliche Strukturen, traditionelle Lebensformen von indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften ist da kein Platz mehr.

In welcher Form ist der Versöhnungsbund vor Ort aktiv?

Wir unterstützen die Menschen beim gewaltfreien Kampf um ihr Land, vor allem durch die Anwesenheit von Schutzbegleiterinnen und -begleitern für Gemeinden, Organisationen und Menschenrechtsverteidiger, die nicht zuletzt bei politischen Gesprächen als Beistand dienen. Das machen wir nun seit zehn Jahren. Aktuell suchen wir übrigens Menschen aus Österreich, die sich als Schutzbegleiterinnen und Schutzbegleiter engagieren wollen!

Interview: Christina Schröder

Hilfe für die Friedensgemeinde

San José de Apartadó

1997 wurde in der hoch militarisierten Region Urabá im Nordwesten Kolumbiens aus mehreren Ortschaften die Friedensgemeinde San José de Apartadó gegründet. Basierend auf den Grundlagen der aktiven Gewaltfreiheit entwickelte die Gemeinde Prinzipien der Nicht-Teilnahme am Krieg und für ein gemeinschaftliches Zusammenleben. Der Internationale Versöhnungsbund und die Organisation FOR Peace Presence unterstützen die Gemeinde, die der ständigen Bedrohung durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt ist.

Die für Februar geplante Solidaritätsreise nach Kolumbien wurde auf April verschoben. Es sind noch Plätze frei.

Nähere Informationen: www.versoehnungsbund.at

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