Für Knolle statt Gold

Yefferson Rojas Arangos Leben steht im Zeichen des Widerstands gegen den weltweit drittgrößten Goldkonzern.

Von Christina Schröder

© SWM / Christina Schröder

Yefferson Rojas Arango trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem eine Frau abgebildet ist. Sie sitzt auf einem Pferd, in der hochgestreckten Hand hält sie eine rübenähnliche Knolle, die Arakacha. „Cajamarca inconquistable” steht über ihr geschrieben. „Unbezwingbares Cajamarca“ heißt das auf Spanisch. „Wir kämpfen wie David gegen Goliath um unseren Boden“, erklärt Arango. Er ist Umweltaktivist und Soziologie-Student.

Der 30-Jährige kommt aus der kolumbianischen Kleinstadt Cajamarca, 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá in der Provinz Tolima. Es ist eine ländliche Gegend im Hochland, der überwiegende Teil der Bevölkerung sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, viele leben vom Kaffeeanbau.

Doch seit Jahren dreht sich alles um Gold: Das südafrikanische Unternehmen AngloGold Ashanti, der weltweit drittgrößte Goldkonzern, will seit 2007, als hier ein riesiges Goldvorkommen entdeckt wurde, ein Bergwerk errichten. Die lokale Bevölkerung stemmt sich aus Furcht vor schlimmen Folgen für Mensch und Natur dagegen.

Arango und seine MitstreiterInnen sehen historische Vorbilder aus der Gegend: Als vor 500 Jahren spanische Eroberer in das Gebiet vordrangen, leisteten die damaligen BewohnerInnen der Region, die indigenen Pijaos, erbittert Widerstand. Sie seien schließlich alle gestorben, aber keine und keiner von ihnen hätte sich je ergeben, sagt Arango.

Bei den Pijaos hätten Frauen und Männer Seite an Seite gekämpft, auch sonst waren sie gleichgestellt in der Gesellschaft.

2017 erkrankte Arango, ermattet von vielen Jahren Widerstand gegen das Gold-Projekt. Auf der Suche nach Heilung stieß er auf traditionelle, schamanische Medizin aus der Region. Offenbar hatten die Pijaos im Gegensatz zu anderen Ethnien Schamaninnen gehabt.

Mittlerweile ist der Aktivist genesen und engagiert sich weiterhin für Wasser- und Landrechte. Im März tourte er auf Einladung von NGOs durch Europa, um über die Folgen des Abbaus von Rohstoffen in seiner Heimat zu berichten.

Ringen mit dem Riesen. Arango interessierte sich schon in der Schulzeit für Menschenrechte. Die Bevölkerung der Region Tolima war während des jahrzehntelang andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien zwischen Regierung, Paramilitärs und Guerillaorganisationen wie der FARC besonders betroffen von Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen.

Als das Goldvorkommen entdeckt wurde, war er 18 Jahre alt. Bald kamen VertreterInnen von AngloGold Ashanti in die 20.000-EinwohnerInnen-Stadt und versprachen den Menschen Arbeit und Wohlstand durch den Goldabbau.

Arango und andere Jugendliche recherchierten daraufhin, was im Internet über ähnliche Projekte und deren Folgen zu finden war: Wasser- und Umweltverschmutzung sowie gesellschaftliche Missstände.

Sie gründeten das Jugendkollektiv COSAJUCA und informierten die lokalen Bauern und Bäuerinnen über die Situation. „Es war wie ein Full-Time-Job”, sagt er.

Um sein Studium zu finanzieren, habe er derweilen Torten gebacken und verkauft. Schokotorten mit Arakacha, der Knolle, die in der Umgebung wächst.

Abstimmungserfolg. Die AktivistInnen mussten das Vertrauen der Bauern und Bäuerinnen gewinnen, die in ihnen zuerst Punks aus der Stadt sahen.

Dass das über die Zeit klappte, wurde am 26. März 2017 sichtbar, dem „schönsten Tag seines Lebens“, wie Arango sagt. An diesem Tag wurde eine Abstimmung zum Gold-Projekt in Cajamarca durchgeführt. Das Votum hatten sie hart erkämpft.

Vorausgegangen war ein jahrelanges Ringen darum, denn laut Arango hatte AngloGold Ashanti immer wieder LokalpolitikerInnen bestochen und versucht, die Abstimmung auf Dauer zu verhindern. Schließlich stimmten über 97 Prozent der Bevölkerung gegen die Goldmine.

Schon am nächsten Tag allerdings erklärte die kolumbianische Regierung das Ergebnis für nichtig. Seither wird der Konflikt zwischen den Interessen aus  der Hauptstadt Bogotá und AngloGold Ashanti auf der einen Seite und der Bevölkerung Cajamarcas auf der anderen Seite auf juridischer Ebene ausgetragen.

Aranga und seine MitstreiterInnen geben aber nicht auf. Mit Blick auf sein T-Shirt sagt er: „Wir folgen dem Vorbild unserer Vorfahrinnen und Vorfahren, damit wir weiterhin in einem freien, sauberen Cajamarca leben können, wo die Arakacha-Knolle an- und kein Gold abgebaut wird.”

Das Treffen mit Yefferson Rojas Arango fand im Rahmen des Wien-Aufenthalts einer Europa-Informationstour zum Thema Rohstoffabbau statt, die u.a. von Südwind und Global 2000 organisiert wurde.

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