Gedanken von Welt: Ungleichbehandlung am Weg

Von Ahmad Ibesh · ·
Ungleichzeichen, um auf Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen
Ungleichzeichen

Krieg ist für alle Menschen gleich furchtbar. Deswegen sollte es auch keinen Unterschied machen, woher Flüchtende kommen.

Die meisten Österreicher*innen haben noch nie Krieg erlebt und mussten niemals flüchten. Ich schon. Deswegen machen mich der Krieg in der Ukraine und das, was den Menschen da widerfährt, sehr traurig und ich will helfen, so gut ich kann.

Es bestürzt mich aber auch zu sehen, wie unterschiedlich Flüchtende in Europa behandelt werden. Als ich und viele andere ab 2015 aus Syrien und anderen Ländern hierher kamen, hieß es bald, dass z. B. Asylverfahren nicht schneller abgewickelt werden konnten, weil der Staat mit den „Menschenmassen“ überfordert war und es nicht mehr Ressourcen gab. Ich habe das geglaubt und zwei Jahre auf die Befragung durch die Behörde für meinen Asylantrag gewartet. Jetzt aber sehe ich, dass es auch anders, unbürokratischer geht, wenn der politische Wille da ist.

In Medien habe ich Aussagen gehört, wonach die Geflüchteten aus der Ukraine „anders“ seien: Blond, blauäugig, christlich, ja sogar, „zivilisierter“. Und die meisten seien diesmal Frauen und Kinder, weil die Männer tapfer in der Ukraine blieben, um ihr Land zu verteidigen.

Putin hat 2015 Syrien als Verbündeter von Machthaber Baschar al-Assad bombardiert. Das war weiter weg von Europa und hat den Kontinent somit auch nicht weiter gefährdet. Ich wollte nicht für Assad kämpfen und bin auch auf der Suche nach Sicherheit hierher geflüchtet. Und ich habe angenommen, dass in Europas Demokratien alle Menschen gleich behandelt werden. Ich wünsche mir, dass es irgendwann auf der ganzen Welt dazu kommt. Erst dann wäre wohl auch Frieden möglich.

Ahmad Ibesh, 27, kommt aus Aleppo in Syrien. Als er mit 19 in die Armee sollte, floh er in die Türkei und kam 2015 nach Österreich. Seither lebt er als Schneider von seinem Label „Herzgenäht“ (vgl. Rubrik „Lokalaugenschein“, Südwind-Magazin 7-8/2020) und neuerdings als Verkäufer in einem Möbelhaus in Kärnten.

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