Gefährliche Botschaften

Von Redaktion ·

Die Öffentlichkeit ist ihnen dankbar, ihre ArbeitgeberInnen – insbesondere wenn es sich um Regierungen oder Geheimdienste handelt – verfolgen sie unerbittlich: WhistleblowerInnen sind HinweisgeberInnen, die ihr Insider-Wissen über Missstände, das sie an ihrem Arbeitsplatz gewonnen haben, an die Öffentlichkeit bringen. Für ihr Tun bezahlen sie meist einen hohen Preis: Verfolgung, Flucht und Exil, wie das aktuell berühmteste Beispiel des NSA-Aufdeckers Edward Snowden belegt.

Whistleblowing erfährt aktuell eine bisher nicht dagewesene internationale Aufmerksamkeit. Allerdings wird auch der Kampf gegen WhistleblowerInnen verstärkt, wie die folgenden Thema-Seiten zeigen, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben.

Für Whistleblowing gibt es im Deutschen keine wirklich passende Übersetzung. Hierzulande gibt es auch noch wenig Bewusstsein für dieses Handeln im öffentlichen Interesse. Denn durch Whistleblowing bekommt die Öffentlichkeit wesentliche Informationen, die auch zur Ausübung demokratischer Rechte notwendig sind. Dementsprechend gehört es zu einer guten Regierungsführung, Vorkehrungen für Whistleblowing und vor allem zum Schutz der AkteurInnen zu treffen.

Die spektakulären Fälle der jüngsten Vergangenheit sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass der Großteil des Whistleblowings auf regionaler, mittlerer Ebene stattfindet. Ob Bank, Krankenhaus oder NGOs: überall gibt es Eingeweihte mit Gewissen, die mit belastenden Informationen an die Öffentlichkeit gehen.

Damit Whistleblowing Erfolg hat, die Botschaft gehört und nicht der Bote bestraft wird, braucht es ein Netzwerk der Unterstützung: kritische BürgerInnen, gut vernetzte Initiativen, die sich für WhistleblowerInnen einsetzen, sowie engagierte furchtlose JournalistInnen.

Der britische „Guardian“ und die „Washington Post“ wurden übrigens Mitte April mit dem Pulitzer Preis, der wichtigsten journalistischen Auszeichnung, für die Beleuchtung der Hintergründe der NSA-Aktivitäten gewürdigt. Monate zuvor waren in den Redaktionsräumen des Guardian auf staatliche Anordnung Laptops zertrümmert worden.
Irmgard Kirchner

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