Gefahr für die Yanomami

Von Werner Hörtner · · 2012/04

Unkontaktierte Völker, Titelgeschichte SWM 1-2/12

Das im deutschen Sprachraum bekannteste Volk Amazoniens kommt wieder in den Würgegriff von Goldgräbern und anderen Glücksrittern.

Die im Regenwald im Norden Brasiliens und im Süden Venezuelas lebenden Yanomami sind eines der größten und bekanntesten indigenen Völker Amazoniens. Sie sind wahrscheinlich vor ca. 40.000 Jahren von Asien über die Beringstraße nach Amerika gewandert. Heute leben auf den beiden Seiten der Grenze, die durch die Wasserscheide zwischen Orinoco und Amazonas gebildet wird, an die 30.000 Angehörige dieses Volkes.

Die Geschichte der Yanomami ist die Geschichte einer verhängnisvollen Begegnung mit der Zivilisation der Außenwelt. In den frühen 1970er Jahren ließ die damalige Militärregierung eine Straße durch ihr Territorium bauen, die „Perimetral Norte“, was für sie verheerende Folgen hatte. Binnen knapp zwei Jahrzehnten strömten an die 65.000 SiedlerInnen in ihr Gebiet, Bauarbeiter, Goldschürfer, Bergleute. Durch Krankheiten und gezielte Tötungen kam in kurzer Zeit ein Fünftel der Bevölkerung ums Leben. Erst 1992 wurde ihr Lebensraum als „Yanomami-Park“ abgegrenzt, was ihre Situation erheblich verbesserte.

Mittlerweile sind wieder an die 1.000 Goldgräber illegal in ihr Land eingedrungen, verseuchen die Flüsse mit Quecksilber und schleppen Krankheiten ein. Obendrein debattiert derzeit der brasilianische Kongress einen Gesetzesentwurf, der im Fall der Bewilligung Bergbau im großen Stil in indigenen Gebieten erlauben würde. Davi Kopenawa, ein Sprecher der Yanomami, warnt vor den Gefahren: „Der Bergbau wird die Natur zerstören. Er wird die Flüsse und ihre Zuläufe vergiften, die Fische und die Umwelt töten – und uns ebenfalls. Er wird uns Krankheiten bringen, die es zuvor in unserem Land nicht gab.

Ein Teil der Yanomami lebt noch unkontaktiert in den Wäldern. Man nimmt an, dass die Goldschürfer auch dort schon eingedrungen sind. Kopenawa: „Es gibt viele unkontaktierte Indianer. Ich kenne sie nicht, aber ich weiß, dass sie so leiden wie wir auch. Es ist sehr wichtig für uns, auf dem Land zu leben, auf dem wir geboren wurden.“ Den brasilianischen Behörden ist es bisher nicht gelungen, die illegalen Goldgräber von ihrem Land zu vertreiben. Derzeit sind an die 800 Polizisten und Soldaten im Einsatz, um sie vom Yanomami-Land auszuweisen.

In der ersten Märzwoche warnte Kopenawa vor der UNO in Genf vor den Gefahren, die der illegale Goldabbau für sein Volk bedeutet.

Auch in Peru leiden Regenwaldvölker unter der westlichen „Zivilisation“ und deren Profitstreben. Wie die britische Zeitung „The Observer“ Ende Februar berichtete, locken skrupellose Reiseführer TouristInnen mit dem Versprechen, ihnen „echte wilde“ Indios zu zeigen. Ziel ist das Volk der Mashco Piro in der Gegend des Nationalparks Manú. Durch illegale Abholzung und Ölprojekte verlassen Angehörige dieses Volkes die Wälder und nähern sich den Flussläufen, wo sie besser sichtbar sind.

In Peru regt sich allerdings auch Widerstand. Die Behörden und die Indigenen-Organisation Fenamad arbeiten zusammen, um Eindringlinge davon abzuhalten, sich dem Lebensraum der Mashco Piro zu nähern. Es wurde auch ein Wachtposten errichtet, der sie vor Außenstehenden schützen soll.

Stephen Corry, der Direktor der Hilfsorganisation Survival (www.survivalinternational.de): „Skrupellose Reiseanbieter müssen entlarvt werden, denn Touristen darin zu bestärken, die Mashco Piro anzuschauen, ist absolut verantwortungslos.“

Petition an Perus Präsident Humala:
www.uncontactedtribes.org/filmbrasilien#main-box

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