Gefangen in den Suburbs

Von Redaktion ·

Die TV-Serie „The Handmaid’s Tale“ bringt eine brutale Diktatur in den Westen.

Viel wird dieser Tage gewarnt vor einer Entwicklung Richtung Postdemokratie und Autoritarismus im „Westen“. Im TV ist die Diktatur in den USA schon Wirklichkeit: „The Handmaid’s Tale“, die mehrfach preisgekrönte Serie der Videoplattform Hulu, basiert auf dem gleichnamigen Buch der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood aus dem Jahr 1985.

Die Handlung hat nichts mit derzeitigen politischen Entwicklungen in den USA unter Donald Trump zu tun, aber viel mit Rechtskonservatismus bzw. Fundamentalismus.

Die Handlung ist in den Vereinigten Staaten nach einem Atomkrieg verortet. Der nukleare Konflikt führte bei vielen Menschen zu Sterilität. Durch einen Staatsstreich kommen die „Söhne Jakobs“, eine christlich-fundamentalistische Sekte, an die Macht. Sie regieren militärisch mit harter Hand. Andersdenkende und Minderheiten werden verfolgt, Frauen zu Sklavinnen degradiert. Alle müssen strenge (Glaubens-)Regeln beachten, Law & Order überall.

Beklemmend. „The Handmaid’s Tale“ ist der Albtraum progressiver, weltoffener Menschen, gekonnt in Szene gesetzt von Produzent Bruce Miller: US-Vorstädte, sonst in vielen Filmen und TV-Serien ein positiv besetztes Symbol der US-Lebensweise, avancieren zu Orten des Horrors. Fruchtbare Frauen werden in Häuser fremder Familien eingesperrt – ihre einzige Aufgabe: Kinder zu gebären, die in der Gesellschaft immer seltener werden. Schwarze SUVs fahren hier nur die Handlanger des Regimes. An jeder Ecke stehen Männer mit Sonnenbrillen und Maschinengewehren, die Soldaten der christlichen Fundamentalisten sind omnipräsent.

Die wenigen, die es aus der Festung USA hinaus schaffen, fliehen nach Kanada oder Mexiko.

Es ist auch diese Umkehrung, die aufrüttelt: War der „Westen“ in den vergangenen Jahrzehnten Ziel von politischen Flüchtlingen, ist die USA hier Herkunftsland.

Indirekt stellt „The Handmaid’s Tale“ damit auch dar, dass Regime nicht „naturgemäß“ im globalen Süden beheimatet sind – und im Westen zwangsläufig der Vergangenheit angehören. Demokratie muss geschützt werden, immer und überall.    sol

Am 2. April startet die zweite Staffel von „The Handmaid’s Tale“ beim US-Videoportal Hulu. Im deutschsprachigen Raum ist die Serie derzeit auf Online-Bezahl-Videoportalen zu sehen, etwa auf www.entertaintv.de.

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print oder Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr
  • 48 Seiten pro Ausgabe
  • je Ausgabe ein 12-seitiger Themenschwerpunkt
  • 12x Extrablatt direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • Buch & Filmempfehlungen aus der Redaktion
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
168 /Jahr
Abo Abschließen