Gendergerechtigkeit bei der Entwicklung

Die Sensibilisierung für Fragen der Gleichberechtigung der Geschlechter muss weltweit gefördert werden - in Österreich arbeitet daran das Frauennetzwerk WIDE.

Zehn Jahre nach der Weltfrauenkonferenz von Beijing werden die Frauen ungeduldig. „Wir wollen endlich Taten sehen.“ Unter diesem Titel lud das Netzwerk Women in Development Europe (WIDE) am 21. Februar 2005 zu einer ganztägigen Diskussionsveranstaltung ein. Mehr als 70 TeilnehmerInnen aus Ministerien, Parteien, NGOs und Institutionen bewiesen, dass die Ungeduld von vielen geteilt wird. Dass in den 179 Unterzeichnerstaaten der Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) Gewalt gegen Frauen noch immer alltäglich ist, war ein Thema. Dass 550 Millionen Menschen weltweit als „working poor“ gelten, also mit dem Ertrag ihrer Arbeit die Armutsschwelle von einem Dollar täglich nicht überschreiten, war ein weiterer Diskussionspunkt. Denn mehr als 60 Prozent davon sind Frauen.

Die theoretische Grundlage für die Tagung lieferte eine von WIDE in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Frauenrechte auf dem Prüfstand“, die Entwicklungszusammenarbeit und Außenwirtschaftspolitik Österreichs aus der Perspektive internationaler Instrumente durchleuchtet. Die internationalen Abkommen, an denen die Wirklichkeit gemessen wurde, sind neben CEDAW, die völkerrechtlich verbindlich ist, die Aktionsplattform von Beijing (BPfA) und die Millenniums-Entwicklungsziele. Unter anderem wird in der Studie kritisiert: „Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) hat die Forderungen nach der Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen armer Frauen in Ländern des Südens im Zusammenhang mit der Politik der WTO bis jetzt so gut wie nicht aufgegriffen und weder ein diesbezügliches Papier ausgearbeitet, noch Vorstöße zur Beleuchtung aktueller Fragen aus dieser Sichtweise unternommen.“
Im Rahmen der MDG-Kampagne will WIDE Österreich in einer Reihe von Veranstaltungen und Publikationen an einer weiteren Sensibilisierung für Fragen der Gleichberechtigung der Geschlechter weltweit arbeiten. Konkret geht es um die Themen Armut (Ziel 1), Gleichberechtigung (Ziel 3) und Globale Partnerschaften (Ziel 8). Feministische Antworten auf das Problem der Armut werden gesucht oder die Gender-Aspekte bei der Erhaltung der Artenvielfalt untersucht. Denn die Überlieferung des traditionell weiblichen Wissens, so WIDE, „kann nur über die Festigung der Positionen von Frauen in der Landwirtschaft geschehen: Förderung von kleinräumiger Landwirtschaft, Bildung, Training und partizipative Forschung“.

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