Gerlinde Zdralek-Huber: Ein Volk tanzt

Begegnungen im Senegal

Von Jasmin Windisch
Edition pro mente, Linz 2003, 270 Seiten, EUR 18,70 (plus Porto).

„Sobald ich den ersten Schritt auf Senegals Boden setze, fühle ich eine unglaubliche Gelassenheit und Ruhe in mir aufsteigen.“ So beginnt Gerlinde Zdralek-Hubers Schilderung ihrer sechsmonatigen Reise in den Süden Senegals. Für diese Zeit tauscht sie ihren westlichen Lebensstil gegen ein Leben in einem Land, wo Zeit noch nicht der Maßstab aller Dinge ist.
Eindrucksvoll vermittelt sie den Grundsatz der SenegalesInnen – gelebt wird im Hier und Jetzt. Längerfristige Planung steht nicht zur Debatte, wäre auch gar nicht möglich. Fehlende Bildung, die schlechte wirtschaftliche Situation und Krankheiten wie Malaria machen die Bewältigung der Gegenwart zum Gebot der Stunde. Dennoch spürt man beim Lesen etwas von dem unglaublichen Optimismus und der inneren Kraft und Stärke der Menschen dort, die zum Teil aus traditionellen afrikanischen Tänzen geschöpft wird. Man bekommt eine Ahnung davon, dass Tanzen hier mehr ist als nur Bewegung. Tanzen und Rhythmus sind Werkzeuge der Kommunikation. Sie können jedes erdenkliche Gefühl ausdrücken: Freude, Liebe, Trauer.
Die schillernde Sprache, die Gerlinde Zdralek verwendet, entführt uns auch in eine Welt tiefer, aufrichtiger Herzlichkeit der Menschen. Abgerundet wird die Erzählung von senegalesischen Märchen und exotisch klingenden Rezepten wie „tiebu jeen“. „Ein Volk tanzt“ ist ein Buch, das Lust macht, loszuziehen und die Vielseitigkeit unserer Welt zu entdecken – oder wenigstens ein Stück davon.

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