Laos: „Gleichberechtigung ist mein großer Traum“

Bouavanh Manichanh arbeitet in Laos als Projektmanagerin – und gehört zur ethnischen Gruppe der Akha. Warum das eine erstaunliche Kombination ist und was sie für die Frauen in ihrer Heimat verändern will, erklärt sie im Interview.

Als Akha-Frau bei einer internationalen NGO zu arbeiten, ist ungewöhnlich. Wie sind Sie dazu gekommen? 

Schon als ich klein war, wollte ich unbedingt lernen und nicht am Feld arbeiten wie meine Eltern. Am Abend stand ich oft vor dem Fenster der Abendschule in unserem Dorf, so lange, bis meine Mutter verstanden hat, dass ich es ernst meine. Ich zog zu meinem Onkel, um dort die Schule abzuschließen, musste aber jeden Tag um vier aufstehen, um im Haushalt mitzuhelfen, und am Wochenende habe ich am Reisfeld und bei der Zuckerrohrernte mitgearbeitet.

Direkt nach meinem Schulabschluss habe ich die Chance bekommen, mit der GIZ (deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Anm.) zu arbeiten – man hat mich unterstützt, weil es kaum Akha-Frauen gab, die Laotisch sprechen, lesen oder schreiben konnten. Nach einer Ausbildung im Bereich öffentliche Gesundheit kam ich schließlich zu CARE.

Warum setzen Sie sich für die Gleichberechtigung von Frauen ein?

Sie ist mein großer Traum! Bei den Akha sind die Frauen nicht gleichberechtigt. Das heißt nicht, dass sie nicht gescheit wären. Frauen haben einfach keinen Zugang zu Bildung und fordern das auch nicht ein. Von den 35 Schülerinnen in meiner Volksschule bin ich die einzige, die eine Ausbildung abgeschlossen hat. Niemand hat verstanden, warum ich das als Frau machen wollte. Alle haben mir geraten, zu Hause zu bleiben und zu heiraten.

Ich will erfolgreich sein, um Frauen zu zeigen, dass es möglich ist, diese Normen zu durchbrechen. Akha-Frauen haben etwas zu sagen! Ich will zur Veränderung unserer Kultur beitragen.

Wie sehen Sie die Situation der Akha, besonders der Frauen, in zehn bis fünfzehn Jahren?

Der Ort, aus dem ich komme, hat sich schnell verändert. Viele Mädchen gehen jetzt in die Schule – zumindest in die Volksschule – und manche Frauen fahren Motorrad. Sie sind weniger schüchtern. Im Vergleich zu anderen ethnischen Gruppen sind die Akha aber weiterhin benachteiligt; man schaut auf sie herab.

Um die Veränderung kultureller und sozialer Normen der Akha zu diskutieren, gibt es regelmäßig Treffen zwischen Akha-Gruppen aus Thailand, Myanmar, China und Laos. Dort erzählen die Älteren, was sie über unsere Kultur wissen. Manche Dinge müssen sich aber ändern: Früher wurde zum Beispiel eine Familie, in der der Mann gestorben ist und kein Sohn nachfolgen konnte, als „zerbrochen“ angesehen und die Frau musste aus dem Dorf wegziehen. Zwillinge wurden oft getötet. Heute ist das anders, zumindest in meinem Herkunftsort Muang Sing.

Wie ist es für Sie, in Phongsali mit Frauen der Akha-Gemeinden zu arbeiten?

Es fällt mir leicht, mit den Leuten eine Verbindung herzustellen. Die Frauen sind wirklich beeindruckt, wenn sie mich Laotisch sprechen hören. Wenn ich gemeinsam mit Ausländern ins Dorf komme, staunen sie noch mehr, weil ich Englisch spreche. Ich möchte Akha-Frauen beweisen, dass es möglich ist, sich weiterzubilden, und will sie ermutigen, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Irgendwann würde ich gerne eine Führungsposition einnehmen – entweder in der Regierung, wo kaum Akha vertreten sind, oder ich werde selbst eine NGO gründen, um die Bildung von Akha-Frauen und Kindern zu fördern.

Interview: Katharina Auer

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