Göttinnen und Frauenrechte

Brigitte Voykowitsch

Von Christina Buder
Indiens Töchter. Picus Verlag, Wien 2000, 168 Seiten, öS 204,-

Vom Kampf Medha Patkars und der Autorin Arundhati Roy gegen die Narmada-Staudämme konnte man bereits in der Presse lesen, gängiger sind uns jedoch die Bilder von den farbenprächtigen Saris der Inderinnen oder aber die von den rechtlosen Opfern patriarchaler Gewalt, die in Witwenverbrennung und Mitgiftmord endet.

Über kaum ein anderes Land des Südens wird so viel geschrieben wie über Indien, und in fast keinem anderen Staat der Welt erregt die Stellung der Frauen so sehr die Gemüter der westlichen LeserInnenschaft. Zwischen Stereotypen und exotistischen Phantasien liegt jedoch eine Vielfalt von Lebensrealitäten indischer Frauen, die uns die Journalistin Brigitte Voykowitsch aufs interessanteste näher bringt. Von den Aktivistinnen einer Lesbengruppe über den selbstbewussten weiblichen Supercop Kiran Bedi bis zu Ruth Monorama, Führerin einer Frauengruppe der unberührbaren Dalits, reichen ihre Gesprächspartnerinnen. Mit den 16 Porträts außergewöhnlicher Frauen, die sich über traditionelle Frauenrollen hinwegsetzten, macht die Autorin uns nicht nur mit einer aktiven Frauenbewegung bekannt, sondern es gelingt ihr auch, die zentralen gesellschaftspolitischen Themen des modernen Indien informativ anzuschneiden. Das Spektrum reicht von den Konflikten um die muslimische Minderheit über die Armutsbekämpfung bis zu den kulturell begründeten Verletzungen der Frauenrechte. Selten gelingt es einem Sachbuch, Hintergrundinformationen aus dem Blickwinkel der Marginalisierten so ansprechend zu vermitteln.

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