Gold und Staub

Von Redaktion ·

Galsan Tschinag

Roman. Unionsverlag, Zürich 2012, 352 Seiten, EUR 22.95

Eines Tages verlässt der Protagonist, der Tuwa-Häuptling Dshuruk-uwaa, (eigentlich der Autor  und Germanist Galsan Tschinag selbst), sein „Zuhause in der Würgenähe der auseinanderkrachenden Hauptstadt“. Denn lange genug hatte er „tags daran gedacht und nachts davon geträumt“, endlich wieder in seinem anderen, wahren Zuhause anzukommen, um sich dort einer anderen, wichtigeren Aufgabe des befristeten irdischen Lebens zu stellen.

Er will die Steppe des Altai begrünen. Diese ist groß, und beginnen will der Ich-Erzähler mit der Bepflanzung des Steppenfriedhofs. „Des Friedhofs, der eigentlich unsere ganze Erde ist. Ungepflegt und verwahrlost ist er, wie ein Dorn verweigerter Liebe und fehlender Achtung zur eigenen Vergangenheit. Wie alle Friedhöfe im Nomadenland.“

Noch in der Jurte der Ehefrau, stöbert ihn eine Kasachin – er hört es am leichten Akzent – durch das tragbare Telefon auf. Es ist die schöne, aber gespaltene Raja. Teile von ihr sind seelenverwandt mit Dshuruk-uwaa, in die verliebt er sich, bzw. ist auch der Autor verliebt. Die anderen Teile sind geldgierig. Raja will die Goldadern des Berges Tewe Mojun ausbeuten. „Wollen wir nicht sagen, dass wir einander brauchen? Denn im Geschäft redet man nicht gerne von mehr oder weniger, sondern von Gegenseitigkeit.“

Auch am Gräberfeld erwartet ihn Zwiespältiges. Der Sohn eines ehemaligen Schulkollegen möchte ihn erschießen oder zumindest verprügeln, sollte er weiter mit der Quälerei toter Seelen Geschäfte machen. Einig sind sich Tuwa und Kasachen in der Absicht, die Goldmilliardärin Raja umzubringen. Doch ist es nur Futterneid, sagt der Fahrer Keleschek, weiter nichts. Verfügten sie selber über Geld und Technik, würden sie mit dem armen Berg ebenso rücksichtslos umgehen. Die Schamanin Ambije, auch Beschützerin des Erzählers, wacht jedoch über das Gute. Bisweilen hängt sie ihren Job als Schamanin an den Nagel und ist ein gewöhnlicher Mensch. Daher ist dieses Märchen über die Mongolei und Nomaden nicht kitschig, sondern sehr schön.
Gabriele Müller

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