„Golden Burma“

Die Fragwürdigkeit des Burma-Engagements der Austrian Airlines und des Tourismus in die fernöstliche Militärdiktatur wird nun auch in Österreich Gegenstand des öffentlichen Diskurses in der NGO-Szene.

Von Margot Pires Dos Reis-Keckeis
Über Reisen nach Burma wird in Österreich schon seit mehreren Jahren zwischen verschiedenen Interessenvertretungen diskutiert. Die Zuwachsraten österreichischer Burma-Reisender sind rekordverdächtig. In ganzseitigen, bunt bebilderten Reportagen in den Medien wird Burma als das „Land der Superlative“ angepriesen, und selbst der Kultursender Ö1 organisierte eine Studienreise ins fernöstliche Land.
Problematisch an dieser Propagierung des Burma-Tourismus ist die Ausblendung der alltäglichen Menschenrechtsverletzungen durch die Militärjunta und der politischen und ökonomischen Katastrophen in Burma durch die „vergoldete und zauberhafte“ Art der Darstellung in den Reiseangeboten.

Leitsätze und Forderungen nach Mindeststandards für eine nachhaltige menschliche Entwicklung gibt es von Seiten der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, der EU, der UNO, von Tourismusinstituten u.a.m. „Kommen Sie nicht jetzt! Burma wird noch da sein, wenn die Generäle nicht mehr an der Macht sind.“ – appelliert Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi an die Touristikbranche und die Öffentlichkeit. Ihr Appell findet jedoch in Österreich nicht viel Widerhall – die Liste der Spezialagenturen, die Studienreisen nach oder einen Traumurlaub in Burma anbieten, ist lang. Die AUA hat Anfang November zum dritten Mal ihren viel kritisierten Direktflug nach Burma in den Winterflugplan aufgenommen.
Ausgehend von Großbritannien und den Niederlanden hat sich in zahlreichen europäischen Ländern ein Burma-Solidaritätsnetzwerk gebildet. In der ersten Oktoberwoche protestierten in London Exil-BurmesInnen und UnterstützerInnen der Burma-Kampagne vor der AUA-Niederlassung. Auch in Österreich soll sich nun in dieser Hinsicht mehr bewegen. Unterstützt von der Gesellschaft für bedrohte Völker Österreich und Südwind Wien hat sich kürzlich das „Austrian Burma Center“ (ABC.Burma@gmx.at) gebildet. Es möchte in Zukunft über die Entwicklungen in Burma informieren, die Thematik Burma-Tourismus verstärkt in die öffentliche Diskussion einbringen und auch andere NGOs in diese Aktivitäten einbinden.

Beiträge zu Burma und der Tourismus-Frage im Südwind-Magazin Nr. 2/03, 7/03, 2/04 und 5/04.
Infos zur Burma-Kampagne auf www.burmacampaign.org.uk und www.burmacentrum.nl
Hinweisen wollen wir auch auf die letzte Ausgabe der respect-Zeitschrift „Integra“, Reisen in undemokratische Länder (Nr.3/04), www.respect.at

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