Grace, Patricia: Anapuke

Berg der Ahnen

Von Irene Stark
Aus dem Englischen von Helmi Martini-Honus und Jürgen Martini.
Unionsverlag, Zürich 2003, 380 Seiten, EUR 20,50
Verschiedene Stimmen melden sich zu Wort, um die Geschichte von Te Paania und ihrem verlorenen Baby zu erzählen: Die Großmutter Kura, der Anwalt Mahaki, der sich für die Rechte der Maori einsetzt, Te Paania selber, aber auch ihr jüngerer Sohn Tawera, der erst nach dem Unglück zur Welt kommt.
Nach einem Autounfall, verursacht von ihrem betrunkenen Ehemann Shane, wird Te Paania schwer verletzt und verliert ihr Baby. Shane stirbt. Als die Familie das tote Kind im Spital abholen will, stellt sie fest, dass ihm die Augen entnommen wurden. Vier Jahre später bekommt Te Paania einen Sohn, und von seinem ersten Lebenstag an wird dieser von seiner verstorbenen Schwester begleitet. Er muss ihr die Welt erklären und sie an seinem Leben teilhaben lassen. Bald stellt er fest, dass er dafür nicht laut sprechen muss, sondern dass er in Gedanken mit ihr kommunizieren kann.
Die Umwelt merkt nichts davon, nur die Großmutter spricht ihn darauf an. Te Paania hat sich durch ihren großen Ehrgeiz zur Computerfachfrau emporgearbeitet, ihr bleibt die Arbeit in der Fischfabrik erspart. Sie überträgt für den Anwalt Mahaki Aufzeichnungen von alten Maori in den Computer. Dabei stellt sie fest, dass das Grundstück des Berges Anapuke, wo die Ahnen bestattet wurden, den Maori unrechtmäßig entwendet wurde. Gemeinsam mit Mahaki organisiert sie die Besetzung eines Geländes. Schließlich wird der Berg der Ahnen seinen rechtmäßigen BesitzerInnen zurückgegeben. Erst jetzt kann die Großmutter sterben und nimmt auf ihren Weg auch das verstorbene Baby mit. Tawera verliert seine stete Begleiterin.
Sehr einfühlsam und spannend rollt Patricia Grace die Geschichte mehrerer Maorifamilien auf: Die Zeit, als in der Schule die Maori-Sprache verboten war, bis hin zur Gegenwart, wo an Maori ohne ihre Einwilligung wissenschaftliche Experimente gemacht werden. Es macht betroffen, wie die Maori immer noch diskriminiert werden und wie sie sich ihre Rechte erkämpfen müssen. Eindrucksvoll ist der große Zusammenhalt im Familienclan und die Beziehung zu den verstorbenen Ahnen dargestellt.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen