„grenzen.los“

Unter diesem Motto werden im niederösterreichischen Industrieviertel von Mai bis September eine Vielzahl von Kulturprojekten mit einer großen programmatischen Bandbreite präsentiert.

Von WeH
Mit dem „Viertelfestival“ hat das Land Niederösterreich eine interessante Kulturplattform initiiert, mit der verschiedenste Projekte an unterschiedlichen Orten eine Öffentlichkeit finden können. Es ist für einen Zyklus von vier Jahren konzipiert und findet jeweils in einem anderen Viertel des größten österreichischen Bundeslandes statt: im Vorjahr war das Waldviertel der Schauplatz, heuer das Industrieviertel, nächstes Jahr ist das Mostviertel und zum Abschluss des Festival-Reigens 2009 schließlich das Weinviertel an der Reihe. Mit diesem dezentralen Konzept sollen sowohl möglichst viele Initiativen zu Wort kommen als auch möglichst viele Menschen in dem vorwiegend ländlich geprägten Bundesland erreicht werden.
Für das heurige Festival wurden im Vorjahr 229 Projekte eingereicht. Ausgewählt wurden 84 Vorschläge, davon 18 Schulprojekte. Entscheidend für die Auswahl waren Originalität und Kreativität, regionsspezifische Thematik und Mut zum Experiment sowie die finanzielle Durchführbarkeit.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden in ganz Europa Pestsäulen errichtet, um der tödlichen Epidemie zu gedenken. Was liegt näher, als heute, wo allein im letzten Jahr weltweit fast drei Millionen Menschen an Aids starben, eine Aidssäule zu errichten? Es handelt sich dabei um eine internationale Initiative (www.aidscolumn.com) zur Sensibilisierung für dieses Thema. Die weltweit erste solche Säule wird am 24. Mai im Zentrum von Wiener Neustadt, in der Herzog-Leopold-Straße beim Gymnasium, errichtet.
Traiskirchen ist heute als – hoffnungslos überfülltes – Flüchtlingslager bekannt, früher hatte es einen stolzen Ruf als die Geburtsstadt von Semperit. In den dunkelsten Zeiten unserer Geschichte war hier der Sitz einer Napola, einer Nationalsozialistischen Polit-Akademie. Die Kommunikation von Wächtern und Wachhunden mit den AsylwerberInnen ist das Thema eines Fotowettbewerbs (Motto: „Mach dir ein Bild vom Ausländer“). Am 23. Mai wird vom Lager in Traiskirchen aus eine Reise nach Bratislava zu einer Ausstellung organisiert.
„Ein Fest für Marie“ ist der Wiener Sozialforscherin Marie Jahoda gewidmet, die mit ihrem Mann Paul Lazarsfeld 1932 die berühmte sozialpsychologische Studie über die Arbeitslosen von Marienthal durchführte. Im Kalkofen Baxa in Mannersdorf an der Leitha wird in der ersten Junihälfte mit einem Veranstaltungsprogramm an jene Zeit erinnert, als sich die Wissenschaft erstmals mit dem Schicksal von Arbeitslosen auseinandersetzte.

Wir können hier nur einen kleinen Teil des äußerst reichhaltigen Viertelfestivals erwähnen. Neben der inhaltlichen Ausrichtung ist dieses Festival auch deshalb interessant, da hier nicht Kultur „importiert“ wird, sondern die lokalen und regionalen schöpferischen Potenziale einen Ausdruck finden. Die Ausschreibung für Projekte für das Viertelfestival 2008 (Mostviertel) hat bereits begonnen – die Einreichfrist endet am 2. Juni.

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