Guatemala. Recherchen auf heißem Pflaster

Andreas Boueke

Sachbuch. Horlemann, Berlin 2013, 331 Seiten, Euro 16,90

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“, sagte einst Ex-Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs. „Das sehe ich anders“, setzt Andreas Boueke in seinem neuen Buches dagegen: „Journalisten dürfen sich für eine gerechte Sache einsetzen.“ Und das tut der Autor und berichtet darüber in „Guatemala: Recherchen auf heißem Pflaster“, einem beeindruckenden Buch. 

Es zieht hinein in das Leben in einem Land, das zu den gewalttätigsten in Lateinamerika gehört. Es nimmt mit auf eine spannende Reise jahrelanger Recherchen, die für den Autor nicht ungefährlich sind. So geht Boueke den Verschmutzungen eines Ölkonzerns nach, der Wälder und Landwirtschaft bäuerlicher Familien zerstört. Er deckt Vertuschungen der Firma auf, berichtet in deutschen und guatemaltekischen Medien und zieht so den Zorn der Bosse auf sich.

Boueke geht zudem Morden an MenschenrechtsaktivistInnen nach, wo Staatsanwälte und Polizisten untätig bleiben. Er nennt die tatenlosen Ermittler und Politiker. Und die Profiteure der Ungerechtigkeit in Guatemala – den Drogen schmuggelnden Flughafendirektor oder die korrupte Chefin der Umweltbehörde.

Der Autor scheut sich auch nicht, Ex-Diktator Efraín Ríos Montt anzugehen. Mehrfach fragt er ihn auf Presseterminen nach den tausenden Menschen, die bei Massakern ermordet wurden. Er fragt nach der Verantwortung – bis der Mann grün und blau wird vor Wut. Der Journalist macht es für die breite Masse, die geschunden und ausgebeutet wird. Er erzählt von der Mutter, die so viele Kinder hat, weil sie über Verhütung nichts weiß. Er erzählt von Kindern in Kaffeeplantagen oder von Menschen, deren Land geraubt wird. Boueke erklärt die Gründe ihrer Not sowie die der gewalttätigen Jugendlichen, die Guatemala verunsichern.

Am Ende bleibt ein wenig Hoffnung: Ein Soldat will endlich sagen, was er im Bürgerkrieg getan hat. Eine Jugendorganisation wirbt für Friedensdienst. Eine Universität ohne Gebäude will Entwicklung von unten fördern. 
Uwe Pollmann

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