Haben wir versagt?

Von Brigitte Pilz
Es kam aus Ministermund: „Entwicklungshilfe interessiert mich nicht besonders.“ (Der Standard, 15.7.04) Gemeint hatte Innenminister Ernst Strasser, dieses EU-Ressort würde er als Kommissar nicht haben wollen. Erhard Busek sagte es nicht ganz so direkt: „Wer immer das Ressort bekommt, wäre stark marginalisiert, denn von primärer Relevanz für anstehende Fragen in der EU ist dieser Bereich nicht.“ (Der Standard, 16.7.04)
Seit 25 Jahren versucht der ÖIE/Südwind, Herr, Frau und Kind Österreicher von der Wichtigkeit der Entwicklungspolitik zu überzeugen. Für eine gedeihliche Zukunft. Auch hier in Europa. Haben wir versagt?
Es ist verlockend, nur jene zu sehen, die das SÜDWIND-Magazin lesen, die einschlägige Workshops, Vorträge, Konzerte und Ausstellungen besuchen, die fair gehandelte Produkte einkaufen usw. Die Zahl dieser Personen ist nicht unbedeutend. Wir dürfen aber die Augen vor der anderen Realität nicht verschließen. Die Mehrheit der Bevölkerung schert sich nicht um das, was außerhalb ihres eingeschränkten Horizonts liegt.

Die Strategien und Konzepte kritisch hinterfragen - ja. Die Flinte ins Korn werfen - nein. Wenn Entwicklungspolitik kein Zukunftsthema ist, was dann? Wenn es für unser aller Wohl und Wehe nicht wichtig ist, dass die überwiegende Mehrheit der Menschheit in Armut lebt, dass die Minderheit hauptverantwortlich für die Zerstörung des Planeten ist, was ist dann wichtig?
In diesem Thema blicken wir zurück und nach vorne. Dabei beleuchten wir nicht nur 25 Jahre Geschichte des ÖIE/Südwind, sondern auch der allgemeinen entwicklungspolitischen Diskussion. Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sind bis heute die Hauptschienen der ÖIE/Südwind-Arbeit, auch sie sind Kinder ihrer Zeit. Deshalb reden wir etwa auch von „Public Relations“ ganz allgemein - damals und heute. Wir lassen AutorInnen und unseren jahrelangen Zeichner MUCH überlegen - was in 25 Jahren sein soll, und was sein wird? Traum oder Albtraum? Und lohnt sich ein weiteres Engagement? Die Antwort muss jede/jeder für sich persönlich finden.
Doch nicht vergessen: Es gibt eine Zeit zu arbeiten und eine Zeit zu feiern. Happy Birthday to us!

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