Handbuch gegen Vorurteile. Von Auschwitzlüge bis Zuwanderungstsunami

Von Redaktion · · 2012/05

Nina Horaczek/Sebastian Wiese

Sachbuch. Czernin Verlag, Wien 2011, 304 Seiten, EUR 24,90

Österreich droht von Bauernkindern überschwemmt zu werden. Diese Furcht einflößende Schlagzeile malte man sich aus, wenn die Redaktionen von Boulevardzeitungen die Geburtenstatistiken studieren würden. Denn es sind keineswegs Ausländerinnen, die in Österreich die höchste Geburtenrate aufweisen, sondern heimische Bäuerinnen mit 2,5 Kindern pro Frau gegenüber 2,02 Kindern pro Ausländerin. Von „Überflutung“ durch deren Nachkommen kann also keine Rede sein: Ohne sie würde die Bevölkerungszahl schrumpfen – mit allen desaströsen Konsequenzen für das Sozialsystem.

Das Handbuch der Vorurteile versucht den liebsten Stammtischweisheiten der ÖsterreicherInnen mit Fakten zu begegnen. Viele davon kreisen um ZuwandererInnen, „Asylanten“ und „Sozialschmarotzerinnen“ ausländischer Provenienz und nähren den Zulauf, den rechte Parteien genießen. Dabei zeigt sich, dass die meisten der stetig wiedergekäuten Bedrohungsszenarien entweder auf aufgebauschten Einzelfällen beruhen oder frei erfunden sind.

Wer weiß schon, dass rund 30 Prozent der in Österreich lebenden ausländischen StaatsbürgerInnen auf den österreichischen Pass verzichten, obwohl sie längst einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung haben? Entgegen anders lautenden Befürchtungen sinkt die Zahl der Einbürgerungen fast kontinuierlich. In der diesbezüglich äußerst restriktiven Schweiz hingegen stieg sie in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches.

Der Band beschäftigt sich mit modernem Aberglauben, der sich in immer wieder kehrenden Phrasen wie Devisenraub durch Ausländer, soziale Hängematte, Kopftuch, Ausländerkriminalität, Minarettverbot, Islamismusdebatte, Scharia in Österreich, Wirtschaftsflüchtlinge und „Zuwanderertsunami“ niederschlägt. In nüchterner Form stellt das Autorenduo gängigen Vorurteilen, für die auch Quellen aus der Presse zitiert werden, Statistiken, Gesetze und Tatsachen gegenüber. Das Buch ist äußerst hilfreich für alle, die sich den Stammtischen stellen und ihre Position mit handfestem Material untermauern wollen. Jene, die ihre Vorurteile gerne pflegen oder daraus politischen Profit schlagen, werden es leider kaum zur Hand nehmen.
Ralf Leonhard

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print oder Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr
  • 48 Seiten pro Ausgabe
  • je Ausgabe ein 12-seitiger Themenschwerpunkt
  • 12x Extrablatt direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • Buch & Filmempfehlungen aus der Redaktion
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
168 /Jahr
Abo Abschließen