Handbuch Humanitäre Hilfe

Jürgen Lieser, Dennis Dijkzeul:

Sachbuch, Springer-Verlag, Berlin –Heidelberg 2013, 466 Seiten, € 39,99

Genau 150 Jahre liegen zwischen der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, einer der ältesten und größten internationalen Hilfsorganisationen, und dem Erscheinen dieses Handbuches. Ein guter Anlass, um ein Überblickswerk zum mittlerweile komplexen System der humanitären Hilfe herauszugeben. Die Welt hat sich in diesen eineinhalb Jahrhunderten stark verändert, aber humanitäre Notlagen, hervorgerufen durch Gewaltkonflikte oder Naturkatastrophen, sind weiterhin Teil der Realität.

Die zunehmende Anzahl an humanitären Katastrophen sowie deren veränderter Charakter machen es den HelferInnen jedoch immer schwerer. Viele AkteurInnen der sogenannten „neuen Kriege“ respektieren weder das humanitäre Völkerrecht noch die Prinzipien, die im humanitären Bereich zum Tragen kommen sollten. Auch die Trennung von interessengeleiteter Politik und humanitärer Ethik ist aufgrund herrschender Machtverhältnisse oft schwer möglich. In diesem komplexen Feld konkurrieren unzählige Hilfsorganisationen um Spenden und staatliche Zuwendungen. Die öffentliche Kritik an der humanitären Hilfe hat zugenommen. Seit zwei Jahrzehnten wird das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit in der humanitären Debatte selbst thematisiert. Dies bewirkt einerseits steigende Anforderungen an die Professionalität von Hilfsorganisationen und deren MitarbeiterInnen, andererseits hält dadurch eine starke Bürokratisierung Einzug in das System.

Das „Handbuch Humanitäre Hilfe“ bietet eine umfassende Einführung in Theorie und Praxis der humanitären Hilfe. Es vermittelt den Stand wissenschaftlicher Debatten und politischer Kontroversen zu zentralen Fragen der humanitären Hilfe, zudem beschreibt es praktische Probleme, mit denen MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen konfrontiert sind. Ein ausführliches Literaturverzeichnis am Ende jedes Kapitels bietet den LeserInnen Vorschläge zur weitergehenden Vertiefung. Außerdem werden in einem ausführlichen Glossar zentrale Begrifflichkeiten erläutert. Kritisch anzumerken ist, dass man bei der Lektüre öfters mit inhaltlichen Wiederholungen konfrontiert ist. Aber dafür erhält man die unterschiedlichsten Perspektiven auf mannigfaltige Themen der humanitären Hilfe, die in diesem Buch äußerst reflektiert besprochen werden. 
Karoline Hausmann

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